Menschenrechtlerin Lamiya Aji Basha: Immer noch 3.400 Jesidinnen in Händen des IS

19.09.2018

Rund 3.400 jesidische Frauen und Kinder befinden sich laut Beobachtern noch in der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im irakisch-syrischen Grenzgebiet. Sie würden vergewaltigt und misshandelt, doch die Welt kümmere sich nicht darum, kritisierte die jesidische Menschenrechtsaktivistin Lamiya Aji Bashar in einer Videobotschaft bei der Jahrestagung der Initiative Christlicher Orient (ICO) am Montagabend in Salzburg.

Sie appellierte an die politisch Verantwortlichen, sich dieser Opfer dringend anzunehmen sowie gegen die letzten IS-Bastionen und Terror-Sympathisanten mit aller Härte vorzugehen. Noch immer würden Frauen im Irak ihre Rechte vorenthalten, so die Jesidin. Frauen aller Religionen und Ethnien müssten endlich gleichberechtigt mit Männern im Land leben können, forderte sie.

Bashar war 2014 als 16-Jährige vom IS entführt worden; nach acht Monaten gelang ihr die Flucht, bei der sie aber von einer Landmine im Gesicht schwer verwundet wurde. 2016 erhielt sie vom Europäischen Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit.

Die irakisch-schweizerische Filmemacherin Aida Schläpfer Al-Hassani zeigte bei der Tagung ihren Film "Noun - Christenverfolgung im Irak", mit dem sie international bekannt wurde. Die Schiitin berichtete von einem Besuch vor kurzem in der früheren Christen-Hochburg Karakosch, dass von den einst bis zu 50.000 Christen höchstens die Hälfte bisher zurückgekehrt sei. Es mangle den Christen nicht nur an materiellen Gütern, sondern vor allem auch an Sicherheit; die politische Lage sei schlicht instabil, so die Regisseurin.

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner erinnerte bei der Tagung an die Bilder von toten Flüchtlingskindern an türkischen Stränden sowie an von Bombenangriffen traumatisierte Kinder in Syrien. Er rief zu mehr Mitgefühl für von Krieg, Verfolgung und Folter Betroffene auf. Zugleich sei jede Instrumentalisierung dieses Leides entschieden abzulehnen. "Wie mag es den Müttern dieser Kinder gehen, so sie noch leben, mit dieser schrecklichen Erfahrung?", so Lackner wörtlich. Diese Frauen hätten weitgehend immer noch keine Stimme in der Gesellschaft. Es gelte, das Leid der Frauen wahrzunehmen und sie im Einsatz für ihre Rechte zu unterstützen, unterstrich der Erzbischof. (KNA)

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