„Mehrreligionenhäuser" wollen sich weltweit vernetzen

27.11.2020

Berlin. "Mehrreligionenhäuser" in verschiedenen Ländern arbeiten künftig enger zusammen. Der Auftakt war am Dienstag bei einer digitalen Konferenz des Berliner Projekts "House of One". Der Bau des "Bet- und Lehrhauses" von Juden, Christen und Muslimen soll im kommenden Januar im Zentrum der Bundeshauptstadt beginnen. An der Konferenz beteiligten sich ähnliche Einrichtungen in Bern, Hannover, München, Wien und Wilhelmshaven.

Der Stiftungsrats-Vorsitzende des "House of One", Gregor Hohberg, erklärte, Ziel sei eine internationale Vernetzung der Mehrreligionenhäuser. Die Initiativen könnten "weltweit heilend wirken", indem sie "ein respektvolles Gespräch zwischen den Religionen fördern". Dazu gehöre die "Grundhaltung, die eigene Religion nicht für den Mittelpunkt der Welt zu halten".

Die Vizepräsidentin der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg, Anna Körs, hob hervor, weltweit gebe es immer mehr inter- und multireligiöse Orte. Als Beispiele nannte sie "Räume der Stille" an Flughäfen und "Gärten der Religionen", die sich auch an die säkulare Gesellschaft richteten. Es seien öffentliche Stellungnahmen für eine plurale Gesellschaft. Solche Projekte förderten die "gelebte Toleranz".

Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid bezeichnete vor allem den Raum des in Berlin geplanten Baus als "revolutionär", der keiner Religionsgemeinschaft zugeordnet ist. Dort könne sich jeder Besucher die Frage stellen, was in seinem Leben wesentlich ist.

Träger des Berliner Projekts sind die evangelische Kirchengemeinde Sankt Petri-Sankt Marien, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Rabbinerausbildungsstätte Abraham Geiger Kolleg und der muslimische Verein Forum Dialog. Ihr Sakralbau soll eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach sowie einen zentralen Raum der Begegnung mit anderen religiösen und nichtreligiösen Menschen umfassen. Die Kosten des Projekts belaufen sich nach Angaben der Träger auf 47,2 Millionen Euro. (KNA)
 

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