Literarisch-künstlerische Zusammenkünfte: Herkunftssache!

13.10.2017 - 11:00 Uhr bis 15.10.2017 - 19:00 Uhr
Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstraße 4
70174 Stuttgart
Festival
Literarisch-künstlerische Zusammenkünfte

Herkunft hat Gewicht: Löste sich die Klassengesellschaft in den letzten Jahrzehnten scheinbar in plurale Milieus mit Bastelbiografien auf, so ist heute wieder von einer Neubildung der Klassengesellschaft die Rede; in der Soziologie spricht man von einer Re-Feudalisierung der gesellschaftlichen Strukturen. Fragen nach der Herkunft können jedoch nicht auf die soziale Frage reduziert werden, sondern sind stets verschränkt mit ethnischen und kulturellen Zuschreibungen. In der Literatur ist die Bedeutung der sozialen wie kulturellen Herkunft seit je her Thema, und auch in der zeitgenössischen Literatur verschaffen sich aufregende und spannende Texte Gehör. Wie also können wir uns quasi münchhauserisch am Schopfe aus dem Sumpf ziehen und Zuschreibungs- und Zeichensysteme, die wir, einmal angeeignet oder etikettiert und darüber im Alltag kontinuierlich eingeübt, zukünftig wieder durchlässiger machen? Wie können wir die Vielfalt der Herkünfte in eine positiv besetzte Heterogenität integrieren, wie trotz Distinktionen Gemeinschaften herstellen? Was kann Kultur, Kunst und Literatur, um populistischen Kategorisierungen und vereinfachten Einordnungen entgegenzuwirken? Diesen Fragen auf der Spur möchte das Literaturhaus Stuttgart die HERKUNFTSSACHE zu seiner Sache machen: Bestandteil der Befragungen sind Lesungen, Gespräche, Vorträge, aber auch partizipatorische Module mit Jugendlichen, die sich in einen Familientausch begeben sowie eine begleitende Textsammlung zum Projekt unter dem Titel "Das weiße Klingelschild".

Der französische Soziologe Didier Eribon wird die "Herkunftssache!" am Abend des 13.10. eröffnen. Des weiteren dabei sein werden der französische Schriftsteller Édouard Louis, der Literaturchef der ZEIT, Ijoma Mangold, die Kuratorin und Autorin Sasha Marianna Salzmann, die Berliner Schrifstellerinnen Fatma Aydemir, die Lyrikerinnen Uljana Wolf und Valzhyna Mort, der Human Beat Boxer Jurczok1001, die Autorin und Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji, Sighard Neckel, Professor für Soziologie, Thomas Krüger, Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, der serbische Choreograf und Tänzer Milos Sofrenovic und der Ausstellung La Grieta/Der Riss.

Ein Projekt des Literaturhauses Stuttgart. Förderer und Partner: Kulturstiftung des Bundes, Bundeszentrale für politische Bildung, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, Akademie Schloss Solitude und Institut francais.