Landesweite Proteste in Marokko nach grausamem Tod eines Fischverkäufers

01.11.2016

Nach dem grausamen Tod eines Fischverkäufers in einem Müllwagen haben die Behörden in Marokko elf Verdächtige festgenommen. Sie wurden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Vorwürfe lauten demnach auf "Fälschung amtlicher Dokumente und fahrlässige Tötung", wie es in einer von der Nachrichtenagentur MAP verbreiteten Erklärung hieß.

Unter den Verdächtigen seien mehrere Behördenmitarbeiter, darunter der Chef der Fischereibehörde und der leitende Arzt des Veterinäramts. Der 31-jährige Mouhcine Fikri war am Freitagabend in der Stadt Al-Hoceima in der nördlichen Berber-Region zu Tode gekommen, als er versuchte, die Beschlagnahmung und Zerstörung seiner Ware zu verhindern und dabei in die Presse eines Müllwagens geriet.

An der Beerdigung Fikris in Al-Hoceima hatten sich am letzten Sonntag tausende Menschen beteiligt. Am Abend versammelten sich dann noch einmal tausende Demonstranten im Zentrum der Stadt. Vorher waren im Internet Fotos mit Fikris leblosem Körper und einem aus der Müllwalze herausragenden Arm verbreitet worden. Marokkanische Zeitungen brachten die Fotos am Montag auf ihren Titelseiten, zusammen mit Bildern von der Beerdigung und empörten Demonstranten.

Wütende Kundgebungen gab es nicht nur in Al-Hoceima und anderen Rifstädten, sondern - für Marokko eher ungewöhnlich - auch in Casablanca, Marrakesch und der Hauptstadt Rabat, meist mit Rufen wie "Wir sind alle Mouhcine" oder "Mörder". Am Montag gingen in Al-Hoceima erneut hunderte Schüler auf die Straße.

Das Innenministerium hatte bereits am Samstag eine Untersuchung der Todesumstände angeordnet. Innenminister Mohammed Hassad überbrachte der Familie des Toten am Sonntag in Al-Hoceima das Beileid von König Mohammed VI.

Hassad sagte am Sonntagabend, Beamte hätten an einer Polizeisperre in Fikris Auto eine "große Menge Schwertfisch" gefunden, dessen Fang untersagt sei. Daraufhin sei entschieden worden, "die illegale Ware zu zerstören". Allerdings habe Fikri nicht auf die Art und Weise zu Tode kommen dürfen, wie es dann geschehen sei.

Die Marokkanische Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) erklärte, Fikri habe sich nach der Zerstörung seiner Fische in den Müllwagen geworfen. Zugleich warnte die Organisation vor einer "möglichen Wiederholung" der Proteste im Rif von 2011.

Al-Hoceima war damals eine der Hochburgen der Massenproteste, die es im Zuge des "Arabischen Frühlings" auch in Marokko gegeben hatte. Einer der Auslöser der damaligen Bewegung war die Selbstverbrennung eines Straßenverkäufers in Tunesien, dessen Ware beschlagnahmt worden war. Vom 7. bis 18. November tagt im marokkanischen Marrakesch die UN-Klimakonferenz. (AFP)

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