Kritik an Dresdner Orden für Ägyptens Diktator Abdel Fattah al-Sisi

28.01.2020

Der Dresdner Semperopernball steht auch nach Kritik an der Verleihung eines St. Georgs Ordens an Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hinter seiner Entscheidung. Der Ball sei eine Kultur- und keine politische Veranstaltung und so in einer anderen Rolle, sagte der Vorsitzende des Ballvereins und Künstlerische Leiter, Hans-Joachim Frey, am Montag in Dresden. Es gehe darum, «mit der Sprache der Kultur Dialog herzustellen». Afrika sei wichtig für Europa, Al-Sisi Präsident der Afrikanischen Union und damit Ansprechpartner für ganz Afrika und die Kultur Brückenbauer.

Man sei sich natürlich bewusst, wie Al-Sisi mit Kritikern und Journalisten umgeht. «Das nehmen wir sehr ernst.» Aber Al-Sisi sorge auch für Stabilität in Ägypten, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung. Man habe sich vorher abgesichert, auch bei der Sächsischen Staatskanzlei. «Die Preisverleihung an Herrn Al-Sisi wird als unproblematisch angesehen», sagte Frey. Der deutsche Botschafter in Ägypten habe ihm in Kairo gesagt, dass das positiv gesehen werde von der Bundesrepublik und die Zeit reif sei, «solche Wege» zu gehen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) respektiert die Ordensverleihung als Angelegenheit des Balles. «Al-Sisi ist kein Demokrat, es gibt Rechtsverstöße, aber dieser Mann leistet eine wichtige stabilisierende Arbeit in der Region», sagte Regierungssprecher Ralph Schreiber.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) als ein Partner des Semperopernballs distanzierte sich. «Wir halten diese Entscheidung für falsch», sagte eine Sprecherin. Sollte sich der Veranstalter entscheiden, die Ehrung von Al-Sisi beim Ball zu thematisieren, werde das nicht mit ausgestrahlt.

Die Dresdner Semperoper «missbilligt ausdrücklich» die Entscheidung des Ballvereins und seines Vorsitzenden, wie Intendant Peter Theiler mitteilte. Das führe «zu einer massiven Irritation» im Haus, das «als führende Kulturinstitution stets Stellung für Frieden, Toleranz und Menschenrechte bezieht.» Theiler sieht auch Gesprächsbedarf mit politischen Entscheidungsträgern des Freistaates.

Der ehemalige General und Armeechef Al-Sisi kam 2013 nach einem Militärputsch an die Macht und wurde 2014 als Präsident vereidigt. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist in Ägypten stark eingeschränkt. 2009 hatte die Vergabe des damals noch «Sächsischen Dankesordens» an Russlands Präsident Wladimir Putin (2009) für Misstöne gesorgt.

Der undotierte Preis ist eine Nachbildung eines barocken Anhängers mit dem Heiligen Georg als Drachentöter aus dem Grünen Gewölbe Dresden. Der Heilige Georg stand für den Sieg des Guten über das Böse. (dpa)

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