Kritik an Blasphemie-Urteilen gegen christliche Schüler in Ägypten

13.03.2016

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat Ägypten zur Aufhebung von Blasphemie-Urteilen gegen vier christliche Schüler und ihren Lehrer aufgefordert. Ein Gericht im Gouvernement al-Minya hatte Ende Februar drei der Minderjährigen zu je fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie in einem Video die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) verspottet und dabei islamische Gebetsgesten nachgeahmt hatten.

Human Rights Watch erklärte dazu am Montag, ein «kindischer Scherz» sei kein Verbrechen. Statt einer rückschrittlichen Sicht von Blasphemie nachzugeben, sollten die ägyptischen Behörden die Meinungsfreiheit verteidigen, teilte die Organisation in Beirut mit.

Den Angaben zufolge hatten die Schüler das Kurzvideo im Februar 2015 gedreht, kurz nachdem IS-nahe Milizen in Libyen 21 entführte Christen ermordet hatten; 20 von ihnen stammten aus Minya. Der Film habe laut Lokalmedien zu Protesten, Angriffen auf christliche Geschäfte und einem versuchten Sturm auf eine Kirche geführt, so Human Rights Watch. Die Jugendlichen seien im April festgenommen und im Oktober wegen Verunglimpfung von Religion und der unzulässigen öffentlichen Ausübung religiöser Handlungen vor Gericht gestellt worden.

Ein Jugendgericht in der Stadt Bani Mazar verurteilte einen 17-Jährigen und zwei 16-Jährige zu jeweils fünf Jahren Freiheitsentzug. Ein vierter Angeklagter im Alter von 17 wurde laut Human Rights Watch in ein Jugendheim eingewiesen. Der Lehrer erhielt in einem separaten Verfahren drei Jahre Haft.

Beim Strafmaß ging das Gericht den Angaben zufolge an die Obergrenze dessen, was das ägyptische Gesetz vorsieht. Blasphemie kann nach Artikel 98(f) des Strafgesetzbuchs mit einer Geldstrafe von umgerechnet 57 Euro oder aber mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Human Rights Watch erklärte, auch wenn es sich um einen «unreifen Scherz» gehandelt habe, dürften die Kinder nicht für eine Meinungsbekundung ins Gefängnis. Das Vorgehen gegen Blasphemiefälle stehe in Widerspruch zu der Beteuerung der ägyptischen Regierung, eine integrativere Sicht von Religion zu fördern, so die Menschenrechtsorganisation. (KNA)

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