Juden, Christen und Muslime gegen Euthanasie und Suizid-Beihilfe

29.10.2019

Der Vatikan, das Großrabbinat von Israel, eine muslimische Organisation aus Indonesien sowie Scheich Abdullah Bin Bayah aus den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen Euthanasie und assistierten Suizid gewandt. Die Schlussfolgerungen des am Montag im Vatikan unterzeichneten Positionspapiers dokumentiert die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) leicht gekürzt in eigener Übersetzung.

"Basierend auf den in diesem Positionspapier dargelegten Argumenten und Begründungen teilen die drei abrahamitischen monotheistischen Religionen gemeinsame Ziele und sind sich in ihrem Umgang mit Situationen am Lebensende völlig einig. Dementsprechend erklären wir:

- Euthanasie und ärztlich begleiteter Selbstmord sind von Natur aus und als Folge moralisch und religiös falsch und sollten ohne Ausnahme verboten werden. Jeglicher Druck auf sterbende Patienten, ihr Leben durch aktive und bewusste Handlungen zu beenden, wird kategorisch abgelehnt.

- Kein Mitarbeiter im Gesundheitsdienst sollte gezwungen oder unter Druck gesetzt werden, direkt oder indirekt beim vorsätzlichen und beabsichtigten Tod eines Patienten durch assistierten Suizid oder jede Form von Euthanasie zu assistieren, insbesondere wenn dies gegen die religiösen Überzeugungen des Mitarbeiters verstößt. Es gilt seit Generationen, dass die Verweigerung von Handlungen, die im Widerspruch zu den sittlichen Überzeugungen einer Person stehen, aus Gewissensgründen respektiert werden sollte. (...) Moralische Einwände in Bezug auf Fragen von Leben und Tod fallen sicherlich in die Kategorie von Kriegsdienstverweigerung, die allgemein respektiert werden sollte.

- Wir fördern und unterstützen eine qualifizierte und professionelle Palliativmedizin überall und für alle. Auch wenn die Bemühungen, den Tod abzuwehren, unangemessen schwerfällig erscheinen, sind wir moralisch und religiös verpflichtet, dem sterbenden Patienten und seiner Familie Komfort, wirksame Schmerz- und Symptombekämpfung, Gesellschaft, Fürsorge und spirituelle Unterstützung zu bieten.

- Wir befürworten Gesetze und Richtlinien, die die Rechte und die Würde des sterbenden Patienten schützen, um Euthanasie zu vermeiden und die Palliativmedizin zu fördern.

- Wir als Gesellschaft müssen sicherstellen, dass der Wunsch von Patienten, nicht zur Last zu fallen, ihnen nicht das Gefühl von Nutzlosigkeit vermittelt und ein schwindendes Bewusstsein vom Wert und der Würde ihres Lebens, das bis zu seinem natürlichen Ende Pflege und Unterstützung verdient.

- Alle Gesundheitsdienstleister sollten verpflichtet sein, die Bedingungen zu schaffen, unter denen Seelsorge für jeden, der sie ausdrücklich oder implizit wünscht, gewährleistet ist. (...)

- Wir verpflichten unsere Gemeinschaften, sich bei Fragen der Bioethik im Zusammenhang mit sterbenden Patienten einzubringen und und mit Techniken mitfühlender Begleitung vertraut zu machen für diejenigen, die leiden und sterben.

- Wir setzen uns dafür ein, die Öffentlichkeit für Palliativmedizin zu sensibilisieren, indem aufklären und Ressourcen bereitstellen für die Behandlung von Leidenden und Sterbenden

- Wir engagieren uns für die Familie und die Lieben der sterbenden Patienten.

- Wir rufen alle politischen Entscheidungsträger und Gesundheitsdienstleister auf, sich mit dieser weitreichenden abrahamitischen monotheistischen Perspektive und Lehre vertraut zu machen, um sterbende Patienten und ihre Familien, die sich an die religiösen Normen und Einhaltung ihrer jeweiligen religiösen Traditionen halten, bestmöglich zu versorgen.

- Dabei wollen wir andere Religionen und alle Menschen guten Willens mit einbeziehen." (KNA)

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