Jerusalem: Israel schließt Tempelberg vorerst für jüdische Besucher

05.05.2021

Aus Angst vor weiteren Spannungen hat Israel den Tempelberg, arabisch "Haram al-Scharif" (edles Heiligtum), in der Altstadt von Jerusalem vorerst für jüdische Besucher geschlossen. Eine Ausnahme soll am sogenannten Jerusalemtag gemacht werden, berichtete die Zeitung "Times of Israel" am Dienstagabend. Der Jerusalemtag, der in diesem Jahr am Abend des 9. Mai beginnt, erinnert an die Annektierung Ostjerusalems durch Israel im Sechstagekrieg (1967).

Seit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Mitte April war es in Jerusalem wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei gekommen. Palästinenser hatten gegen die polizeiliche Absperrung des Platzes vor dem Damaskustor zur Jerusalemer Altstadt protestiert, der zu den beliebtesten öffentlichen Plätzen im Ramadan gehört.

Zudem war es zu Zusammenstößen zwischen rechten jüdischen Demonstranten und palästinensischen Gegendemonstranten gekommen. Auslöser der Auseinandersetzungen waren Videos in Sozialnetzwerken, die Angriffe palästinensischer Jugendliche auf strengreligiöse Juden dokumentieren.

In der Nacht zum 8. Mai feiern Muslime mit der "Lailat al-Qader" die Nacht der Offenbarung des Korans, in der traditionell Tausende Muslime zum Gebet zum Tempelberg kommen. Der Fastenmonat Ramadan endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens (Eid al Fitr), das voraussichtlich am Abend des 12. Mai beginnt.

Der Tempelberg ist für Juden, Muslime und Christen eine wichtige Heilige Stätte. Bis zur Zerstörung durch die Römer im Jahr 70 befand sich an dieser Stelle der jüdische Tempel, zentrales Heiligtum Israels. Zahlreiche biblische und religiöse Überlieferungen wie die Erschaffung Adams und Evas, die Opferung Isaaks oder aufseiten des Islam die Himmelsreise Mohammeds sind mit dem Ort verbunden. An Besuchen nationalistischer Israelis auf dem Tempelberg sowie an jüdischen Forderungen nach Gebetsrechten auf dem Tempelberg entzündete sich in der Vergangenheit wiederholt teils gewalttätiger Protest von Palästinensern. (KNA)

 

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