Islamkonferenz endet mit Kontroversen unter Muslimen

03.12.2018

Mit Appellen für einen offenen Dialog und teils heftigen Kontroversen ist in Berlin der Auftakt zur neuen Deutschen Islamkonferenz (DIK) zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand die Frage, auf welche Weise Muslime ihren Glauben in Deutschland leben können und wie der Islam besser in die deutsche Gesellschaft integriert werden kann. Wichtige Themen waren dabei unter anderem die Arbeit in den Moscheegemeinden und die Ausbildung von Imamen in Deutschland. Bei den Podiumsdiskussionen am Mittwoch und Donnerstag kam es mehrfach zu Wortgefechten zwischen Vertretern der konservativen Islamverbände und Anhängern einer liberalen oder säkularen Ausrichtung.

Die Muslime gehörten gleichberechtigt zu Deutschland, betonte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als Gastgeber der DIK zur Eröffnung: "Daran kann es wohl keinen vernünftigen Zweifel geben." Die Bundesregierung wolle Brücken bauen, damit Muslime besser in Deutschland heimisch werden können. Allerdings müssten sich alle Formen des Islam an die deutsche Werteordnung halten und Extremismus oder Antisemitismus in ihren Reihen bekämpfen. "Das Grundgesetz ist die Grenze", so Seehofer.

Er kritisierte die Einflussnahme und Finanzierung von Islamverbänden aus dem Ausland und forderte sie zu einer eigenständigeren Selbstorganisation auf. Der Staat brauche für den Dialog einen zentralen Ansprechpartner, der die Muslime als Ganzes vertritt, finde ihn aber nicht. Als weitere Kriterien für gelingende Integration nannte der Minister zudem die Verwendung der deutschen Sprache und die soziale Verwurzelung in der Gesellschaft, etwa durch ehrenamtliches Engagement. Es brauche einen "Islam in, aus und für Deutschland".

In ihrer vierten Phase soll die 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegründete DIK wieder breiter aufgestellt sein und neben den Verbänden wieder liberale Muslime zu Wort kommen lassen. Statt fester Arbeitsgremien plant Seehofer einen themenoffenen "Gesprächsprozess" aus Diskussionsforen, Workshops und Projekten mit wechselnden Teilnehmern.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, unterstützte Seehofers Forderung nach einem Islam deutscher Prägung auf dem Boden des Grundgesetzes. Er warnte aber davor, die Religion zu "nationalisieren". Dem Minister sicherte Mazyek zu, sein Verband werde sich für die Imamausbildung in Deutschland einsetzen. Bisher stammen die meisten der gut 2.000 Imame in den hiesigen Moscheegemeinden aus dem Ausland, oft sprechen sie kein Deutsch.

Immer wieder übten prominente Wortführer eines progressiven Islam wie scharfe Kritik an der Rolle der Verbände. Deren Vertreter sprächen sich in der Öffentlichkeit für Toleranz aus, förderten aber mit ihrer traditionellen Koranauslegung die Abschottung ihrer Mitglieder und die Diffamierung liberaler Muslime. Verbandsfunktionäre erklärten hingegen, konservative theologische Positionen seien legitim und gehörten zur Meinungsvielfalt unter deutschen Muslimen. Mazyek beklagte, die öffentliche Debatte werde "zu 95 Prozent" von Islamkritikern dominiert.

Die Soziologin Necla Kelek warf der Bundesregierung im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Naivität im Umgang mit den Verbänden vor. Die Hoffnung, sie als Partner für die Integration von Muslimen in die freiheitlich-demokratische Gesellschaft gewinnen zu können, bezeichnete sie als reine "Wunschvorstellung".

Der Politologe Abdel-Samad kritisierte gegenüber der KNA, dass auch die türkisch-islamische Ditib wieder an der Islamkonferenz teilnimmt. Der wegen seiner Nähe zum türkischen Staat ins Zwielicht geratene Verband sei in den vergangenen Jahren immer undemokratischer geworden.

Der Schlüssel zur Integration liegt nach den Worten zahlreicher Teilnehmer jedoch in den Moscheegemeinden, die zu rund 70 Prozent in den Verbänden organisiert sind. Hierauf müsse die Arbeit der DIK besonderes Gewicht und insbesondere muslimische Jugendliche erreichen. (KNA)

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