Irans Hardliner-Kleriker Ahmad Chatami droht Demonstranten mit drakonischen Strafen

05.01.2018

Neun Tage nach Beginn der regimekritischen Proteste im Iran bezeichnete Ahmad Chatami die Demonstranten als "Feinde des Islam und des Iran". Es dürfe "kein Erbarmen" für sie geben, sagte er in seiner Predigt während des Freitagsgebets in der schwer gesicherten Imam Chomeini Mosalla Moschee in Teheran.

Chatami sprach damit die bisher schärfste Drohung der iranischen Führung gegen die regimekritischen Demonstranten aus, die auch in der Nacht wieder in einigen Städten marschiert waren. Allerdings hat Chatami als Mitglied des führenden Klerikergremiums keine politische Entscheidungsgewalt.

Der Kleriker forderte die Todesstrafe für einen Jugendlichen, der in den ersten Tagen der Proteste die Flagge der Islamischen Republik heruntergerissen und verbrannt hatte. Er ist laut Polizei bereits verhaftet worden.

Der Hardliner griff auch die Politik von Präsident Hassan Rohani an, die er ebenfalls für die Proteste verantwortlich machte. Chatami gilt als Erzfeind der Reformer um Rohani.

Nach Einschätzung einiger iranischer Beobachter waren die ersten Proteste, die sich ursprünglich gegen die hohen Preise im Land gerichtet hatten, von Hardlinern und Rohani-Gegnern organisiert worden, um den Präsidenten zu schwächen. Falls es so war, wäre dieser Plan nicht aufgegangen, denn schnell richteten sich die Proteste gegen den ganzen Führungsapparat.

Chatami wiederholte außerdem die Vorwürfe der iranischen Führung, dass die Proteste von Kräften im Ausland organisiert worden seien. Es handele sich um eine "amerikanisch-israelische Verschwörung". Die Demonstrationen hätten nichts mit dem iranischen Volk zu tun. Forderungen des Volkes müssten gehört und dessen Probleme gelöst werden. "Aber Stimmen im Auftrag von Trump und Netanjahu sind inakzeptabel."

Um zu zeigen, dass das Regime weiterhin vom Volk unterstützt werde, begannen kurz nach dem Freitagsgebet in Teheran von der Führung organisierte Massendemonstrationen. Ähnliche Kundgebungen hatte die Regierung auch schon in den vergangenen Tagen in mehreren Städten des Landes organisiert und hunderttausende Menschen auf die Straßen gebracht.

Einige dieser Veranstaltungen wurden schnell zu Anti-Rohani-Protesten, mit gezielten Slogans gegen ihn und die Reformer. "Nieder mit denen, die Kompromisse eingehen", riefen Teilnehmer. Andere forderten den Tod aller Demonstranten, die verhaftet worden sind. (dpa/Reuters)

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