Iran empört über Reaktion Trumps auf Anschläge in Teheran

08.06.2017

Der Iran hat sich empört über die Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf die tödlichen Anschläge von Teheran gezeigt. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nannte Trumps Erklärung zu dem Doppelanschlag mit 17 Toten sowie die Verhängung neuer US-Sanktionen am Donnerstag "widerlich". Laut der Regierung in Teheran handelte es sich bei den Attentätern um iranische Mitglieder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Trump hatte die Anschläge auf das iranische Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran verurteilt, aber zugleich eine Warnung an den Iran ausgesprochen. "Staaten, die den Terrorismus fördern", riskierten, "selbst Opfer des Bösen zu werden, das sie fördern", erklärte er. Trump wirft dem Iran immer wieder vor, den Terrorismus zu unterstützen.

Zugleich stimmte der US-Senat für neue Sanktionen gegen den Iran wegen "Unterstützung für den internationalen Terrorismus". Trump sieht den Iran als Hauptquelle der Konflikte in der Region, auch wenn Teheran im Irak eine wichtige Rolle im Kampf gegen die IS-Miliz spielt. Bei einem Besuch in Saudi-Arabien Mitte Mai drang Trump darauf, den Iran zu isolieren.

Nach Trumps Erklärung zu den Anschlägen schrieb Sarif auf Twitter, seine Äußerungen sowie die neuen Sanktionen seien "widerlich, (in einem Moment) da sich die Iraner dem Terror von US-Handlangern entgegenstellen". Die Revolutionsgarden hatten bereits am Mittwoch den USA und Saudi-Arabien eine Mitschuld an den Anschlägen gegeben und Vergeltung angekündigt.

Mehrere Attentäter hatten am Mittwochvormittag das Parlament im Zentrum von Teheran gestürmt und sich stundenlange Feuergefechte mit der Polizei geliefert. Ein Angreifer sprengte sich in die Luft, die anderen wurden von der Polizei erschossen. Noch während des Angriffs bekannte sich die IS-Miliz zu der Tat und veröffentlichte ein Video aus dem Parlament.

Praktisch zeitgleich attackierten zwei Attentäter das Mausoleum von Republikgründer Khomeini südlich von Teheran, wobei sich ein Angreifer in die Luft sprengte. Laut neuen Angaben wurden bei den Anschlägen auf die beiden symbolträchtigen Stätten insgesamt 17 Menschen getötet - fast alle davon im Parlament. 50 Menschen wurden zudem verletzt. Es war das erste Mal, dass die IS-Miliz einen größeren Anschlag im Iran beging.

Laut einer neuen Erklärung des Geheimdienstministeriums wurden die Angriffe von nur fünf Attentätern begangen. Zuvor war von sechs Männern die Rede gewesen. Demnach handelte es sich um Iraner, die sich in Raka und Mossul der IS-Miliz angeschlossen hatten, bevor sie im vergangenen Sommer als Teil eines größeren Netzwerks in den Iran zurückkehrten.

Demnach wurde der Anführer des Netzwerks aber getötet und die anderen Mitglieder zur Flucht ins Ausland gezwungen. Geheimdienstminister Mahmud Alawi sagte, das Netzwerk hinter den Angreifern sei identifiziert und mehrere Hintermänner seien bereits festgenommen worden. Es könne weiterhin "nicht ausgeschlossen" werden, dass Saudi-Arabien beteiligt war.

Die IS-Miliz, die wie andere sunnitische Extremisten Schiiten als Ungläubige betrachtet, hatte dem Iran wiederholt mit Angriffen gedroht. Vergangenes Jahr hatte Teheran mitgeteilt, ein IS-Netzwerk zerschlagen zu haben, das große Anschläge in mehreren iranischen Städten plante. (AFP)

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