Internationale Konferenz in Kuwait zum Wiederaufbau des Irak

12.02.2018

Die Terrorherrschaft des IS war - nach dem Gewaltregime von Saddam Hussein - die zweite Katastrophe für den Irak in den vergangenen Jahren. Nun soll eine Geberkonferenz das Geld für die Genesung des Landes organisieren.

Zu dem dreitägigen Treffen in Kuwait-Stadt kommen Vertreter von Geberländern, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen zusammen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres und US-Außenminister Rex Tillerson werden teilnehmen. Mitveranstalter der Konferenz sind die Europäische Union und die Weltbank. Der erste Tag des bis Mittwoch andauernden Treffens steht im Zeichen von internationalen Organisationen. Der zweite Tag ist der Rolle des Privatsektors beim Wiederaufbau des Landes gewidmet. Mehr als 2.000 Unternehmen und Geschäftsleute werden erwartet. Am dritten Tag wird dann mit Ankündigungen von Geberländern gerechnet.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi hatte im Dezember erklärt, das Land sei vollständig vom IS befreit worden. In dem mehr als dreijährigen Kampf gegen die Extremisten wurden die Industrie und die Infrastruktur stark in Mitleidenschaft gezogen. So wurden in der früheren nordirakischen IS-Hochburg Mossul ganze Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Auch die Städte Tikrit, Ramadi und Falludscha waren in der Hand der Terrormiliz. Durch den Konflikt gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" wurden Regierungsangaben rund 70.000 Häuser völlig zerstört. Insgesamt seien fast 140.000 Wohngebäude beschädigt worden, weshalb viele Flüchtlinge im Land auf ihre Rückkehr warteten, erklärte der Präsident des irakischen Wiederaufbaufonds, Mustafa al-Hiti, zum Auftakt der Konferenz.

Die Weltbank und die irakische Regierung schätzen den mittelfristigen Bedarf für den Wiederaufbau auf rund 88 Milliarden US-Dollar (etwa 71 Milliarden Euro). Sein Land benötige 88,2 Milliarden Dollar (knapp 72 Milliarden Euro), teilte Planungsminister Salman al-Dschumaili mit. Die Einschätzung beruhe auf einer Studie irakischer und internationaler Experten. Ein ranghoher Mitarbeiter des Ministeriums erklärte ergänzend, der Irak sei auf eine Soforthilfe von 22 Milliarden Dollar angewiesen. Der Rest der Summe müsse mittelfristig fließen.

Die Hilfsorganisation Care fordert verlässliche Finanzzusagen vor allem für die Unterstützung der über drei Millionen Binnenvertriebenen in dem Land. "Der Irak kommt nicht zur Ruhe", erklärte Care-Referent für den Irak, Hannes Einsporn, in der nördlich gelegenen Stadt Dohuk. Manche der Binnenflüchtlinge warteten bereits seit Jahren darauf, in ihre Heimatregionen zurückkehren zu können. Dazu kämen noch geflohene Menschen aus Syrien, die das Land aufgenommen hat. Besonders betroffen ist nach Care-Angaben der Nordirak. Dort suchten über 820.000 Binnenvertriebene und mehr als 240.000 syrische Flüchtlinge nach Sicherheit, berichtete Einsporn.

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF rief dazu auf, Hilfen in Höhe von 17 Millionen Dollar (13,7 Millionen Euro) für den Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen für Kinder im Irak bereitzustellen. "Der Zustand des Gesundheitssystems ist alarmierend", betonte der UNICEF-Vertreter im Irak, Peter Hawkins nach einem Besuch in Mossul. "Für Schwangere, Neugeborene und Kinder können vermeidbare und leicht behandelbare Erkrankungen schnell zu einer Frage von Leben und Tod werden." Laut UNICEF ist es für 750.000 Kinder in der Region um Mossul schwierig, grundlegende Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen. Weniger als zehn Prozent der Gesundheitseinrichtungen in der Provinz seien vollständig nutzbar. (AFP/dpa/epd)

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