Indonesische Frauen-Metal-Band bricht mit allen Klischees

15.09.2017

Weiblich, muslimisch und grölend: Drei junge Frauen aus Indonesien wollen mit ihrer Metalband Voice of Baceprot lautstark internationalen Ruhm erlangen - und brechen dabei so einige westlichen Stereotypen, die über kopftuchtragende Frauen existieren. Von Ahmad Pathoni

Die drei jungen Frauen zeigen sich auf der Bühne unbeeindruckt von der drückenden Hitze und sengenden Sonne. Sie tragen bei ihrem Auftritt langärmelige Shirts und den muslimischen Hidschab, ein Kopftuch, das Haare, Hals und Brust bedeckt.

«Seid ihr bereit? Ihr seht gut aus, Leute!», ruft die 17 Jahre alte Sängerin Firdda Kurnia in die Menge der vorwiegend jugendlichen Fans, die sich vor der Bühne vor einem Einkaufszentrum in Garut versammelt haben. Sie wollen die Frauen-Metal-Band Voice of Baceprot (VoB) sehen. 

Hier, in der Kleinstadt rund vier Fahrtstunden südöstlich der Hauptstadt Jakarta gelegen, sind die drei Mädchen aufgewachsen. Die Provinz West Java ist größtenteils arm und konservativ. Bis sie ins Teenager-Alter kamen, hatten Firdda und ihre beiden Freundinnen, Schlagzeugerin Euis Siti Aisyah und Bassistin Widi Rahmawati, nie davon geträumt, Musikerinnen zu werden oder ein Instrument zu lernen.

Vor ein paar Jahren kamen sie dann über ihre Schule zur Musik. «Wir begannen, mit der Akustikgitarre und dem ramponierten Schlagzeug aus unserer Blaskapelle zu spielen», erinnert sich Euis Siti Aisyah.

Indonesien in Südostasien hat 250 Millionen Einwohner und ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Die große Mehrheit praktiziert einen toleranten Islam. Als sie weiter ihrer Leidenschaft für Musik nachgingen, stießen die drei jungen Frauen dennoch schnell auf Widerstand ihrer Familien, Lehrer und Nachbarn. Rockmusik wird insbesondere im konservativen West Java mit moralischem Verfall, Drogen und sexueller Freizügigkeit assoziiert.

«Für viele ist Metal keine Musik für muslimische Frauen, sondern Teufelsmusik», sagt Firdda. Sie selbst beschreibt ihre Musik als Nu Metal, welcher von Künstlern wie Dream Theater, Eminem und Linkin Park beeinflusst ist. «Wir wollen zeigen, dass wir nicht unsere Identität und Pflichten als Muslime aufgeben, auch wenn wir Metal spielen», sagt die Sängerin. Für die Band ist es darum kein Widerspruch, ihre Songs laut zu grölen und gleichzeitig einen Hidschab zu tragen, der ihren Glauben bekräftigt.

Das Weitermachen hat sich gelohnt: Inzwischen wurde VoB von einem lokalen Fernsehsender zu einem Auftritt eingeladen. Und die Zahl der Fans in Indonesien und über den Inselstaat hinaus wächst stetig; bei YouTube findet man etliche Videos mit jeweils mehreren Hunderttausenden Aufrufen.

Ihre jugendlichen Bewunderer sind die größte Motivation für die drei Schülerinnen: «Wir wollen ihnen zeigen, dass Mädchen, die einen Hidschab tragen, nicht unterdrückt sein müssen.» Dennoch versteht sich die Band nicht als islamische Metalband, betont Sängerin Firdda. Nur die Mitglieder seien muslimisch.

Frauenbands sind in Indonesien nicht neu, doch normalerweise orientiert sich die Kleidung der Musikerinnen an der Mode des Westens. Der unangepasste Stil hat in der Vergangenheit auch zu Konflikten geführt, sagt der indonesische Schriftsteller und Kulturbeobachter Hikmat Darmawan. «Rockmusik war für viele junge Indonesier ein Mittel zur Rebellion gegen die autokratischen Regime.» Damit spielt Darmawan auf die Gesetze der vormals autoritär regierenden Präsidenten Sukarno und Suharto an.

Dara Puspita wurde in den 1960er Jahren als erste indonesische Frauen-Rockband berühmt. Damals wurde sie von Präsident Sukarno mit der Begründung unter Druck gesetzt, dass westliche Musik einen schlechten Einfluss habe. Nichtsdestotrotz war Indonesien immer eine Heimat für eine florierende Metal-Subkultur, sagt Darmawan. Sogar der aktuelle Präsident Joko Widodo sei ein begeisterter Heavy-Metal-Fan.

Noch in diesem Jahr will die Band ein Album produzieren und online vertreiben. Mit einigen englischen Songs hoffen die Musikerinnen, im Ausland bekannter zu werden. Dann könnten sie sich einen großen Traum erfüllen: zum ersten Mal in ihrem Leben ins Ausland reisen und dort ein Konzert geben. (dpa)

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