Indonesiens Studenten revoltieren gegen Pläne für ein härteres Strafrecht

25.09.2019

Im größten muslimischen Land der Welt protestieren junge Menschen gegen ein neues Strafrecht. Damit würde etwa außerehelicher Sex mit Gefängnis bestraft. Bei Unruhen in Jakarta wurden 300 Menschen verletzt.

Bei Straßenschlachten zwischen Studenten und der Polizei sind in der indonesischen Hauptstadt Jakarta mehr als 300 Menschen verletzt worden. Die Proteste richten sich gegen ein härteres Strafrecht im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt. Demnach soll Sex zwischen Unverheirateten mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden können. Mit vier Jahren Gefängnis sollen Abtreibungen ohne medizinische Indikation geahndet werden, und auch wer den Präsidenten beleidigt, soll künftig hinter Gitter.

An einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude hatten sich mehr als 3.000 Studenten beteiligt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Nach Angaben von Polizeichef Gatot Eddy Pramono wurden mindestens 254 Studenten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Elf davon müssen stationär behandelt werden. Die Zahl der verletzten Polizisten bezifferte der Polizeichef auf 39.

Auch in anderen Städten des Inselstaats kam es zu Protesten. Ursprünglich hätte das Parlament am Dienstag über die Gesetzespläne entscheiden sollen. Auf Bitten von Präsident Joko Widodo wurde dies jedoch verschoben.

Die protestierenden Studenten haben noch weitere Themen im Blick: Die Region Papua wird seit Wochen von bürgerkriegsähnlichen Unruhen erschüttert, massive Brandrodungen der Regenwälder zugunsten der Palmölindustrie zerstören die Lebensgrundlage tausender Ureinwohner, gefährden Ökosysteme und setzen große Teile der Bevölkerung einem giftigen Smog aus.

In den Smoggebieten müssen vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen mit Sauerstoff versorgt werden

Im Jahr 1998 hatten Studentenproteste den Rücktritt des seit 1967 herrschenden Präsidenten Haji Mohamed Suharto erzwungen. Der Inselstaat Indonesien zählt mehr als 260 Millionen Einwohner. Etwa 90 Prozent davon sind islamischen Glaubens. (AFP/dpa/Reuters)

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