Indonesiens Ex-Präsident Jusuf Habibie ist tot

13.09.2019

Seine Präsidentschaft war die kürzeste in Indonesiens jüngerer Geschichte. Doch Bacharuddin Jusuf Habibie ermöglichte bedeutende demokratische Reformen - und hatte einen besonderen Bezug zu Deutschland.

Bacharuddin Jusuf Habibie wurde 83 Jahre alt. Er verstarb in einem Armeekrankenhaus in Indonesiens Hauptstadt Jakarta, wo er wegen Herzproblemen behandelt wurde, wie seine Familie mitteilte.

Das Präsidentenamt übernahm Habibie im Mai 1998 von Diktator Suharto, der nach mehr als 30-jähriger Herrschaft nach massiven Studentenprotesten und auf dem Höhepunkt der asiatischen Finanzkrise zurückgetreten war. Der Wissenschaftler Habibie, der unter Suharto Staatsminister für Forschung und Technologie war und später auch dessen Stellvertreter, hatte im Volk und in der Armee nur wenig Rückhalt.

Als Präsident entschuldigte sich Habibie für frühere Menschenrechtsverletzungen in Indonesien und veranlasste ein acht Punkte umfassendes Reformprogramm zum Aufbau einer "gerechten, offenen und demokratischen" Gesellschaft. Er ordnete die Freilassung politischer Gefangener an, ließ freie Gewerkschaften, freie Wahlen und ein Unabhängigkeitsreferendum für die ehemalige portugiesische Kolonie Osttimor zu. Doch all dies steigerte nicht seine Popularität. Habibies Amtszeit endete im Oktober 1999, nach nur 16 Monaten. Bei den Wahlen für das Präsidentenamt hatte er auf eine Kandidatur verzichtet.

Indonesiens derzeitiger Staatspräsident Joko Widodo würdigte vor Journalisten den Verstorbenen als Weltklasse-Wissenschaftler, der dem Land technischen Fortschritt gebracht habe und dritter Präsident Indonesiens gewesen sei.

Habibie hatte von 1954 an Maschinenbau in Aachen studiert, dort promoviert und anschließend für Messerschmitt-Bölkow-Blohm gearbeitet. 1974 kehrte er in seine Heimat zurück. (AP/dpa)

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