Gründer von Islaminstitut hofft auf Mitarbeit von Verbänden

06.04.2018

Beim geplanten Berliner Institut für Islamische Theologie hofft der Gründungsbeauftragte Michael Borgolte auf ein Einlenken der einbezogenen muslimischen Verbände.

Es sei ungewiss, ob vier Organisationen bei ihrer Ablehnung des vorliegenden Gründungsvertrags blieben oder ob das nur Taktik sei, sagte Borgolte der "Berliner Zeitung" (Donnerstag). Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) will dies am 13. April bei einem Treffen mit den Verbandsvertretern klären. Bei den Differenzen geht es um den Einfluss der Verbände im Institutsbeirat.

Das Institut soll an der Humboldt-Universität (HU) gegründet werden. Zur Mitarbeit in einem Beirat hatten Berliner Senat und HU fünf muslimische Verbände eingeladen. Von ihnen stimmte bislang nur die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden dem Kooperationsvertrag zu. Das Votum des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib, des Zentralrats der Muslime, der Islamischen Föderation und des Verbands der Islamischen Kulturzentren steht noch aus, obwohl es bis zum 1. April hätte vorliegen sollen.

Die Verbände wollen vor allem ein stärkeres Gewicht bei der Berufung von Professoren. Laut Kooperationsvertrag muss in diesen Fällen der Beirat mit Zweidrittelmehrheit zustimmen. Dem Gremium werden auch vier muslimische Professoren angehören, die von der HU berufen werden.

Borgolte wirft den muslimischen Verbänden mangelnde Politikfähigkeit vor. "Es gab keine regulären Delegierten, sondern es kamen immer wieder andere Vertreter zu den Verhandlungen", kritisierte er in der Zeitung. Zudem seien sie oft nicht eingearbeitet gewesen. Unklar sei auch, wie in den Verbänden Entscheidungen erfolgten. "Auf diese Weise haben wir die fünfseitige Kooperationsvereinbarung mit neun Paragrafen ein ganzes Jahr verhandelt." Borgolte wandte sich auch dagegen, dass Ditib "so etwas wie eine Hauptvertretung des Islam in Deutschland" zu sein beanspruche.

Der Gründungsbeauftragte hatte die Einladung der konservativen Islamverbände mit dem Argument verteidigt, dass vor allem sie Träger von muslimischen Einrichtungen seien und damit als Arbeitgeber infrage kämen. Im Islam-Institut sollen die Absolventen eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung erhalten, die sie zu einem Einsatz als Imame oder Religionslehrer qualifiziert.

Gegenwärtig werden diese Stellen in der Regel mit Theologen besetzt, die im Ausland ausgebildet wurden. (KNA)

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