"Genug!": Bei den Bewohnern des Gazastreifens herrschen Erschöpfung und Angst

08.08.2022

Gaza. Gaza sieht aus wie eine Geisterstadt: Leere Straßen, zugezogene Vorhänge - für die Bewohner des Gazastreifens fühlt sich das Wochenende an wie eine nie enden wollende Wiederholung derselben schrecklichen Szenen. "Wir lebten in Frieden und plötzlich begann das Bombardement", sagt der 40-jährige Mohammed Hamami. "Genug! Genug!", fügt er hinzu. "Jeden Monat oder jedes Jahr gibt es einen Krieg."

Vor den seit Freitag andauernden neuen israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen hatten die Menschen in dem palästinensischen Küstenstreifen einen ungewöhnlich entspannten Sommer verlebt. Schwimmer und Surfer konnten wieder die Strände nutzen, an denen das Wasser zuvor lange als zu verschmutzt galt.

Doch dann kamen die Raketen: Bei der neuen Eskalation der Gewalt wurden nach Angaben der örtlichen Behörden im Gazastreifen mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 260 verletzt. Als Reaktion auf die Luftangriffe feuerten Kämpfer der Organisation Islamischer Dschihad hunderte Raketen in Richtung Israel ab.

Die am Freitag vor den Angriffen noch vor Besuchern wimmelnde Strandpromenade ist nun menschenleer. Cafés blieben geschlossen, Straßenverkäufer zuhause. "Diese jüngste Eskalation bringt Bilder der Angst, der Beklemmung und des Gefühls, ganz allein zu sein, zurück", sagt Dunia Ismail, die in Gaza wohnt. Die Luftangriffe und Explosionen hätten sie die ganze Nacht wach gehalten. Für den Fall, dass sie fliehen müssten, sei es für "Palästinenser in Gaza zur Gewohnheit geworden, eine Überlebenstasche vorzubereiten, die einige wichtige Dinge wie Fotos, Papiere und etwas Geld und Medikamente enthält", erklärt Ismail.

In Dschabalia im Norden des Gazastreifens inspiziert Fuad Faradschallah am Wochenende die Überreste seines Zuhauses, das am Freitag bei einem Luftangriff getroffen wurde. Sein Wohnzimmer hat sich in einen Trümmerhaufen verwandelt, der Ventilator baumelt von der Decke. "Ich saß hier auf dem Sofa, mit meiner Frau und meinen Kindern, und plötzlich fiel alles auf uns", sagt Faradschallah. Seine Frau habe sich die Hand gebrochen und sein Sohn sei von Granatsplittern getroffen worden.

Wann der nächste Angriff kommt, kann niemand sagen. Und selbst wenn es keine Einschläge oder Explosionen gibt, liegt ein sirrendes Geräusch in der Luft - das der israelischen Drohnen, die ständig über das Palästinensergebiet fliegen. (AFP)

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