Gaddafi-Sohn trotz Todesurteils aus Haft in Libyen entlassen

14.06.2017

Der zum Tode verurteilte Sohn des getöteten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, ist aus dem Gefängnis freigekommen. Einer Stellungnahme der Miliz Abu-Bakr-al-Sedik-Brigade zufolge wurde er bereits am letzten Freitag aufgrund einer Generalamnestie des gewählten Parlaments mit Sitz in Tobruk freigelassen.

Bei der Abu-Bakr-al-Sedik-Brigade handelt es sich um die Miliz, die Al-Islam in der westlibyschen Stadt Sintan im Gefängnis bewachte. Der Sohn Gaddafis habe die Stadt mit unbekanntem Ziel verlassen.

Saif al-Islam war vorgeworfen worden, im Rahmen der Aufstände gegen seinen Vater im Jahr 2011 zur Tötung friedlicher Demonstranten aufgerufen zu haben. Im selben Jahr kam er in Haft. Ein Gericht in der libyschen Hauptstadt Tripolis verurteilte ihn 2015 in Abwesenheit zum Tode.

Der Gaddafi-Sohn nahm zeitweise per Videoschalte an den Verhandlungen teil, wurde von den Machthabern in Sintan aber nicht an die Behörden der Hauptstadt überstellt. Die UN kritisierten das Urteil, weil es gegen gängige Rechtsnormen verstoßen habe. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte 2014 die Auslieferung Al-Islams gefordert. Er sollte sich dort wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Die Behörden in Sintan lehnten eine Überstellung jedoch stets ab.

Sechs Jahre nach dem Tod des ehemaligen Machthabers Mummar al-Gaddafi ist Libyen im Chaos versunken. In weiten Teilen des Landes herrscht Anarchie, in der sich Hunderte Milizen ausgebreitet haben. Die vom Westen akzeptierte Regierung in Tripolis ist weitgehend machtlos und wurde vom Parlament im ostlibyschen Tobruk nie offiziell anerkannt. (dpa)

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