Friedensnobelpreis geht an tunesisches Quartett

09.10.2015

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hieß es in der Begründung. Zu den möglichen Kandidaten für die Auszeichnung hatte in diesem Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehört.

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Das Nobel-Komitee äußerte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch «Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen».

Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Vergabe des Friedensnobelpreises an das tunesische Dialog-Quartett als ausgezeichnete Entscheidung bezeichnet. «Die Bundesregierung gratuliert den Mitgliedern des nationalen tunesischen Dialogquartetts herzlich», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. «Es ist der verdiente Lohn für eine Arbeit an der Demokratie, für ein Festhalten an der Idee, dass ein Volk, das eine Diktatur abgeschüttelt hat, etwas Besseres verdient als eine neue Diktatur.»

Das Quartett habe der tunesischen Bevölkerung und der Welt Hoffnung gegeben, dass Demokratie und Rechtstaatlichkeit auch unter schwierigen Bedingungen möglich seien. Terroristen versuchten, diesen Weg zu verhindern. Deutschland stehe an der Seite Tunesiens sowohl beim Aufbau der Demokratie als auch bei der Abwehr seiner Feinde.

Auf die Frage, ob Merkel erleichtert sei, dass sie entgegen mancher Spekulationen den Preis nicht bekommen hat, sagte Seibert: «Sie hören Freude über eine sehr gute Entscheidung und großen Respekt vor der Preisträgern.» Die Spekulationen seien im übrigen ausschließlich von den Medien betrieben worden und nicht von der Bundesregierung.  Seibert beantwortete die Frage nicht, wo und wie Merkel von der Entscheidung erfahren habe. «Ich gebe hier kein Bewegungsprofil der Bundeskanzlerin. Grundsätzlich nicht», sagte er.

Verliehen wird der mit 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt. (dpa)

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