Frauen in Saudi-Arabien erhalten ab 2018 Zugang zu drei Sportstadien

31.10.2017

Saudi-Arabiens Kronzprinz Mohammed bin Salman meint es offenbar ernst mit seiner Ankündigung gesellschaftlicher Reformen: Vor rund einem Monat wurde das Ende des Fahrverbots für Frauen angekündigt - nun erhalten sie Zugang zu ausgewählten Sportstadien. Ab dem kommenden Jahr dürften auch Familien in drei Stadien der Hauptstadt Riad sowie der Metropolen Dschiddah und Dammam, verkündete die Sportbehörde am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die Vorbereitungen dafür hätten bereits begonnen, fügte die Behörde hinzu. Demnach sollen die Stadien künftig Restaurants, Cafés und Videoleinwände erhalten.

Bislang war Frauen in dem erzkonservativen Königreich das Betreten von Stadien verboten. Eine Ausnahme wurde im vergangenen Monat gemacht, als hunderte Frauen zum ersten Mal Zutritt zu einem Sportstadion in Riad gewährt wurde, wo sie - in einem Familienbereich und fern von Junggesellen - die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag verfolgen konnten.

Ende September hatte König Salman zudem das Ende des Fahrverbots für Frauen angekündigt. Sie sollen ab Juni kommenden Jahres am Steuer sitzen dürfen. Die Entscheidung wurde weltweit begrüßt. Als treibende Kraft all der gesellschaftlichen Lockerungen gilt Kronprinz Mohammed.

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Lesart des Islam. Das Herrscherhaus der al-Saud hatte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit wahhabitischen Religionsgelehrten geschlossen, das bis heute Bestand hat und den Gelehrten weitreichenden Einfluss auf Religions- und Lebenspraxis in Saudi-Arabien gewährt.

Frauen unterliegen zahlreichen Beschränkungen: Noch immer muss ein männlicher Vormund - meistens der Vater, Ehemann oder Bruder - seine Erlaubnis erteilen, wenn eine Frau etwa studieren oder reisen möchte.

Königssohn Mohammed hatte nach seiner Ernennung zum Kronprinzen im Juni einen Modernisierungskurs angekündigt. Der 32-Jährige will die absolutistische Monarchie, in der mehr als die Hälfte der Einwohner jünger als 25 sind, auf die Zeit vorbereiten, in der die Öleinnahmen nicht mehr so fließen wie bisher. Mohammed deutete bereits an, dass bald auch das allgemeine Kino-Verbot fallen könnte.

In der vergangenen Woche verkündete Mohammed eine Abkehr seines Landes von ultrakonservativen Religionsprinzipien an. Das Land werde zu dem zurückkehren, was es einmal war - "ein Land des gemäßigten Islam, das für alle Religionen und für die Welt offen ist", sagte er auf  einem Wirtschaftsforum in Riad.

Schon jetzt scheint die Regierung die Macht der Religionspolizei beschnitten zu haben. Dieser wird vorgeworfen, die Öffentlichkeit mit ihren rigiden Moralvorstellungen unter Druck zu setzen. Aus dem Straßenbild der Großstädte ist die Polizei seit einiger Zeit völlig verschwunden.

Politische Analysten warnen jedoch vor den Risiken der Reformvorhaben des Kronprinzen: Allen kühnen Ankündigungen zum Trotz dürfe niemand vergessen, dass das konservative Gedankengut das Land seit den 1970er Jahren dominiere, erklärte die Beratungsfirma Eurasia Group. Dies lasse sich nicht so schnell umkehren. Ultrakonservative Kräfte sowie religiöse Extremisten stellten weiterhin eine Gefahr dar. (AFP)

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