Franziskus besucht als erster Papst die Golfstaaten

21.01.2019

Historisch wird sie zweifellos, die Reise, die Papst Franziskus Anfang Februar an den Persischen Golf unternimmt. Betritt dann doch erstmals ein Papst die Arabische Halbinsel, die für den Islam heiliges Land ist.

Ein Papstbesuch in Arabien sei vor kurzem noch undenkbar gewesen, so der katholische Bischof Paul Hinder kurz nach Bekanntgabe des Besuches im Dezember. Der Schweizer Kapuziner ist Oberhirte für die Katholiken im südlichen Arabien. Zwar ist Arabien eine islamische Region, aber in den Öl-Emiraten am Golf leben unter den rund zehn Millionen Einwohner rund eine Million Katholiken als Gastarbeiter aus Südasien.

Und so werden aus den Emiraten, aber auch aus dem benachbarten Oman wie sogar aus dem kriegsgeplagten Jemen 120.000 Gläubige erwartet, wenn der Papst erstmals in den Emiraten eine katholische Messe als Massenveranstaltung feiert. Die kostenlosen Tickets werden über die Pfarreien verteilt.

Anlass der Reise vom 3. bis 5. Februar ist eine interreligiöse Begegnung mit dem Titel "Human Fraternity". Die Konferenz findet am 4. Februar im Founder's Memorial statt, einem topmodernden, dem Staatsgründer gewidmeten Kulturzentrum an Abu Dhabis Corniche. Das detaillierte Tagungsprogramm ist bislang jedoch ebenso wenig bekannt wie die weiteren Teilnehmer. Einzig Franziskus' argentinischer Rabbiner-Freund Abraham Skorka verriet im US-Jesuiten-Magazin "America" unlängst, er werde Teilnehmer der Konferenz sein.

Mit der Veranstaltung betonen die Emirate ihren Anspruch, die modernere, aufgeschlossenere Seite Arabiens zu sein. Der Präsident der Emirate, Scheich Khalifa bin Zayed, hat 2019 zu einem "Jahr der Toleranz" ausgerufen. Sein Bruder und De-facto-Regierungschef Kronprinz Muhammad bin Zayed wünschte am 25. Dezember allen Christen weltweit "Frieden und Glück" zum Weihnachtsfest. Er hatte bereits im September 2016 den Papst in Rom besucht.

Vor der interreligiösen Konferenz trifft der Papst mit der islamischen Gelehrten-Vereinigung des "Muslim Council of Elders" zusammen. Die 2014 gegründete Vereinigung mit Sitz in Abu Dhabi will Spaltungen und Fehden innerhalb des Islam überwinden und gegen extremistische Brandstifter eine religiöse Botschaft humaner Werte und der Toleranz verteidigen. Leiter des Rats ist Großscheich Ahmad al-Tayyeb von der Kairoer Al-Azhar-Universität - für den Papst praktisch ein alter Bekannter.

Ort der Begegnung, die als privat charakterisiert wird, ist die Scheich-Zayid-Moschee, das größte islamische Gotteshaus der Emirate. An Prachtentfaltung und Dimensionen kann es mit dem Petersdom konkurrieren; allein das Grundstück übertrifft die Fläche des Vatikanstaats um ein Viertel. 41.000 Menschen finden Platz in der Moschee.

Die große öffentliche Messe im Stadion am 5. Februar sendet auch eine Botschaft an das benachbarte Saudi-Arabien, wo Christen nur hinter verschlossenen Türen das Bibelwort teilen und Abendmahl feiern können. Die Emirate präsentieren sich gern als liberal: Die katholische Josefskirche in Abu Dhabi, heute Sitz des Bischofs, wurde 1965 geweiht, seit 2007 bestehen diplomatische Beziehungen zum Vatikan, 2010 entsandten die Emirate ihre erste Botschafterin an den Heiligen Stuhl.

Eine normale Papstreise wird es dennoch nicht: Zwar wird Franziskus von Kronprinz Muhammad im Präsidentenpalast empfangen. Aber weder wird er - wie sonst üblich - eine Rede vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft halten, noch sind Termine an einer Universität oder mit Jugendlichen geplant. Dabei ließe sich da trefflich über den Wert der Bildung, die Rolle der Frau oder den Auftrag der jungen Generation zum Frieden sprechen. Auch Begegnungen, die Franziskus sonst wichtig sind, etwa mit sozial Bedürftigen oder Seelsorgern, fehlen - wenigstens im offiziellen Programm.

Eine historische Reise mit wenig Programm. Um sie etwas aufzuwerten, wird als ein Hintergrund eine Begegnung genannt, die genau 800 Jahre her ist: das Treffen zwischen Franziskus von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil in Damiette. Damals, während des fünften Kreuzzugs, sorgte die Begegnung für eine gewisse Entspannung zwischen Abend- und Morgenland. Muslime in Arabien reagierten positiv auf Zeichen, Brücken zu bauen, sagt Bischof Hinder. Dennoch werden sich die konkreten Folgen der modernen Franziskus-Reise noch zeigen müssen. (KNA)

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