Fastenbrechen mit Kebab und Lebkuchenherz - Beim «Festi Ramazan» trifft Ramadan auf Kirmes

27.06.2016

Muslime auf der ganzen Welt begehen derzeit den Fastenmonat Ramadan. In Dortmund treffen sich jeden Abend Tausende, um gemeinsam auf dem «Festi Ramazan» das Fasten zu brechen. Es ist laut Veranstalter das größte Ramadan-Fest Europas. Von Melanie Zakri

Ein Straßenverkäufer läuft durch die Menge und preist laut rufend sein Simit an, türkische Sesamkringel. Rundum stehen Verkaufsstände mit traditionellen türkischen Speisen, im Hintergrund spielt anatolische Musik. Der Mann läuft nicht etwa durch die Straßen Istanbuls, sondern durch Dortmund. Zwischen Fußballstadion und Westfalenhallen feiern hier einen Monat lang täglich Tausende Besucher das abendliche Fastenbrechen.

Das «Festi Ramazan» (Ramadan-Fest) ist eine Mischung aus Messe und Kirmes und findet jährlich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan statt, der in diesem Jahr noch bis zum 4. Juli dauert. Laut Veranstalter Fatih Ilhan ist es das größte Ramadan-Fest Europas. Jeden Abend kommen zwischen 3.000 und 5.000 Gäste, am Wochenende sind es nach Angaben Ilhans bis zu 20.000 pro Tag. Jedes Jahr kommen so insgesamt etwa 250.000 Besucher zusammen.

Mancher von ihnen nimmt eine weite Anreise in Kauf. Viele kämen aus ganz Deutschland, aber auch aus Belgien, den Niederlanden und der Türkei, sagt Ilhan. Auch Köksal Sultan ist weit gereist. Die 27-Jährige ist mit einer kleinen Gruppe aus Rheinland-Pfalz gekommen und begeistert: «Hier gibt es einfach alles aus der Türkei, besonders das Essen ist toll», schwärmt sie. Tatsächlich fühlt sich der Besucher schnell wie in der Türkei: Hinweisschilder, Lautsprecherdurchsagen und das Bühnenprogramm sind ausschließlich auf Türkisch gehalten.

Nicht nur Besucher kommen von weit her, auch 15 der insgesamt 170 Aussteller sind aus der Türkei angereist, um in Dortmund die typischen Speisen ihrer Heimatstadt zu verkaufen. Ein Gastronom aus der Stadt Kayseri kocht in einem kleinen weißen Zelt Manti, eine Art türkische Ravioli. In einem anderen Zelt bereitet ein Aussteller aus der nahe Istanbul gelegenen Stadt Bursa den «Iskender Kebab» zu, ein Gericht, bei dem Kebap-Fleisch auf einer Lage von Brot, zerlaufener Butter und Joghurt serviert wird.

Zwischen gegrilltem Fisch, Döner und türkischem Tee finden die Besucher aber auch Lebkuchenherzen und Burger. «Wir wollen unser Konzept auch für jüngere Leute erweitern», erklärt Veranstalter Ilhan die ungewöhnliche Kombination.

Denn gerade die jüngeren Gäste habe er im Blick gehabt, als er das «Festi Ramazan» 2012 zum ersten Mal veranstaltete, sagt Ilhan. Auf die Frage, warum das wohl größte Ramadan-Fest Europas ausgerechnet in Dortmund zu finden ist, antwortet Ilhan trocken: «Weil ich Dortmunder bin, und das schon in der dritten Generation.» Er habe etwas zur Kultur und Wirtschaft in der Region beitragen wollen. Gemeinsam mit seinem Bruder wollte er ursprünglich eine Art Jobmesse organisieren. Als Universitäten, Ausbilder und Arbeitsamt «nicht mitmachten», habe er sich entschieden, Stände an erfolgreiche lokale Geschäftsleute mit Migrationsgeschichte zu vermieten.

So kommt es, dass neben den vielen Essensbuden, dem Autoscooter und dem Trampolin für Kinder ein weiterer Platz auf dem «Festi Ramazan» wie ein Messegelände wirkt. Zwischen der Ausstellung eines türkischen Möbelhauses und dem Stand einer Zahnreinigungsfirma finden sich Zelte mit Handyhüllen, Gebetsketten, Parfüm und Glasbläsern. Ilhan sieht im «Festi Ramazan» eine Gelegenheit für junge Migranten, Netzwerke zu bilden. Dass das Fest aber vorrangig Kirmes und nicht Jobmesse ist, wird zwischen Outdoor-Shisha-Café und Autoscooter schnell klar.

Noch bis zum 3. Juli öffnet das Ramadan-Fest jeden Abend um 18 Uhr seine Pforten. Richtig voll wird es aber erst später. Denn die meisten Besucher sind Muslime und fasten bis zum Sonnenuntergang. Schon eine halbe Stunde, bevor die Sonne untergeht, bilden sich lange Schlangen vor den Zelten, die nach Gegrilltem duften. Denn wer rechtzeitig zum Fastenbrechen das Essen für die ganze Familie zusammen haben will, muss sich früh anstellen. Kurz vor 22 Uhr warten dann viele Familien an Tischen in einem großen Zelt gemeinsam auf den Ruf des Muezzins, der über Lautsprecher das Ende des Fastens ankündigt. (epd)

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