Erdogan-Verbündeter Bahceli kritisiert Deutsche Islamkonferenz

05.12.2018

Der türkische Nationalistenführer Devlet Bahceli hat scharfe Kritik an der Deutschen Islamkonferenz und der Forderung nach einem "Islam für Deutschland" geäußert. "Die Konferenz, die unter dem Slogan 'Islam in Deutschland und für Deutschland' zusammengetreten ist, ist ein Skandal und eine Beleidigung für unsere Religion", sagte der Vorsitzende der ultrarechten Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) am Dienstag vor seiner Parlamentsfraktion laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

"Was bedeutet 'Islam für Deutschland?", fragte der Verbündete von Präsident Recep Tayyip Erdogan und betonte, der Islam könne keinem einzelnen Land gehören. Auch in Erdogans AKP stieß die Forderung auf Kritik. Die "Forderung nach einem deutschen Islam ist weder theologisch noch soziologisch vertretbar und widerspricht dem Geist der Verfassung", schrieb der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte vergangene Woche bei der Auftaktveranstaltung der vierten Runde der Islamkonferenz für "einen Islam in, aus und für Deutschland" geworben. Muslime hätten "selbstverständlich die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Bürger dieses Landes", betonte Seehofer, der zu Beginn seiner Amtszeit mit der Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, für Empörung unter den Muslimen im Land gesorgt hatte.

Der Leiter des regierungsnahen Seta-Instituts Burnahettin Duran bezeichnete die Islamkonferenz in einer Kolumne für die Zeitung "Daily Sabah" als "kaum verschleiertes Regierungsprojekt zur Verbreitung eines 'Islam aus und für Deutschland'". Um einen solchen "deutschen Islam" zu schaffen, seien nun Vertreter eines "säkularen Islams" eingeladen worden, während der Einfluss traditioneller Verbände beschnitten werde, kritisierte Duran.

"Es ist inakzeptabel, dass die deutsche Regierung mit den Prinzipien des Islam spielt und einen sogenannten 'säkularen Islam' durchsetzen will", schrieb der Seta-Chef in der Kolumne am Mittwoch. Der AKP-Abgeordnete Yeneroglu schrieb, "so wie ich einen nationalstaatlich bestimmten türkischen, arabischen oder bosnischen Islam ablehne, so lehne ich auch einen deutschen Islam ab."

Der MHP-Vorsitzende Bahceli kritisierte zudem, dass bei der Islamkonferenz auch Blutwurst serviert worden sei. "Was hat Schweinefleisch bei einer Konferenz zum Islam verloren?", fragte er. Angesichts breiter Kritik an der Speisenauswahl hatte das Innenministerium am Samstag bedauert, sollten sich einzelne Personen "in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben". Schweine gelten im Islam als unrein und ihr Verzehr ist verboten. (AFP)

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