Ditib startet Ausbildungszentrum für Religionsbeauftragte

09.01.2020

Seit Jahren fordern Integrationspolitiker von der Ditib eine Ausbildung von Imamen und Moschee-Seelsorgern in Deutschland. Nun hat der türkisch-islamische Verband in der Eifel ein Seminar eröffnet. Doch Fragen bleiben.

Noch riecht es in den Gängen nach frischem Putz und Wandfarbe. Die Ditib hat das Gebäude ihrer Jugendbegegnungsstätte in Dahlem seit Monaten gründlich renoviert. Künftig will der größte Islamverband Deutschlands hier in den Hügeln der Nordeifel Religionsbeauftragte für die Arbeit in seinen Moscheegemeinden ausbilden. Es könnte ein erster Schritt sein, um die Entsendung von Imamen durch die türkische Religionsbehörde Diyanet irgendwann überflüssig zu machen und die vielbeschworende Beheimatung des Islam in Deutschland ein gutes Stück voranzubringen. Dann wäre es in der Tat "ein historischer Tag", wie der Ditib-Bundesvorsitzende Kazim Türkmen die Eröffnung des Seminars am Donnerstag nannte.

Etwa 1.100 Imame versehen in den rund 860 Ditib-Moscheen ihren Dienst als Gemeindevorsteher. Die allermeisten davon bleiben nur wenige Jahre im Land. De facto sind sie türkische Staatsbeamte, die in der Regel wenig Deutsch sprechen und das Leben ihrer nichtmuslimischen Umwelt kaum kennen. Keine guten Voraussetzungen für die Integrationsarbeit in der türkischen Community. Die Politik fordert deshalb seit Jahren, dass religiöses Personal in den Moscheen auch hier sozialisiert und ausgebildet wird. Bisher seien lediglich 114 Ditib-Imame auch in Deutschland aufgewachsen, teilte der Verband am Donnerstag mit.

Die neue Ausbildungsstätte mit 28 Zimmern dürfte dieses Missverhältnis nur langsam verändern. 22 Teilnehmer zählt der erste Jahrgang, davon zehn Männer und zwölf Frauen, die wegen ihres Geschlechts aber nicht als Imame das Gemeinschaftsgebet leiten dürfen. Vor ihrer zweijährigen Ausbildung zu Religionsbeauftragten, davon 18 Wochen in Dahlem, müssen die Bewerber mindestens einen Bachelor in islamischer Theologie vorweisen können. Er kann inzwischen auch an sieben deutschen Universitätsstandorten erworben werden. Für ihre spätere Aufgabe lernen die Studenten die praktische Anwendung ihres religiösen Wissens in der täglichen Gemeindearbeit: Predigen, Seelsorge, Religionspädagogik, Koranrezitation und die Anwendung des islamischen Rechts stehen auf dem Lehrplan. Am Ende erhalten die Absolventen ein Zertifikat.

"Das ist keine Hobby-Ausbildung", betonte die Leiterin der Kölner Ditib-Akademie, Seyda Can. "Die Lehrpläne der deutschen Uni-Standorte haben wir genau studiert und unser Programm darauf abgestimmt." Auch die Dozenten sollen teilweise identisch sein. Der Unterricht in Dahlem laufe überwiegend auf Deutsch ab.

Als Vertreter der Bundesregierung sprach der Staatssekretär im Innenministerium und Organisator der Deutschen Islamkonferenz, Markus Kerber, in Dahlem von einem wichtigen Tag und einem positiven Signal der Ditib. "Ein Großteil der islamischen Religionsbeauftragten wird künftig stärker der deutschen Lebenswirklichkeit entsprechen, hier werden sie ihren Lebensmittelpunkt und ihre Zukunft sehen", so Kerber.

Er sprach aber auch die Störungen im Dialog zwischen Politik und Ditib an. Der Verband war seit dem Putschversuch in der Türkei 2016 wegen der Bespitzelung von Gegnern des türkischen Präsidenten Erdogan, Kontakten zur radikalen Muslimbruderschaft sowie Kriegspropaganda für die türkischen Offensiven in Syrien schwer in die Kritik geraten. Der Bund und mehrere Bundesländer hatten deshalb ihre Zusammenarbeit mit der Ditib zurückgefahren. "Will sie eine in Deutschland verortete Religionsgemeinschaft sein mit einer führenden Rolle für die Muslime in Deutschland oder versteht sie sich als Auslandsorganisation der staatlichen türkischen Religionsbehörde?", fragte Kerber.

Zudem gibt es Fragen ums Geld. Denn die Bezahlung von mehr als 1.000 Imamen wird die Ditib ohne türkische Staatshilfe kaum stemmen können und Berlin kann aus religionsverfassungsrechtlichen Gründen nicht einspringen, schon weil die Ditib keine anerkannte Religionsgemeinschaft ist. Gegen eine Moscheesteuer wehrt sich der Verband, was ebenfalls Fragen aufwirft. Scheut er eine allzugroße Transparenz seiner Geldflüsse und die Abkopplung von Ankara? Die 1,1 Millionen für den 2014 erfolgten Kauf des Dahlemer Gebäudes und die Renovierung jedenfalls stammen angeblich zu einem Großteil aus Spenden der Verbandsmitglieder. (KNA)

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