«Die Zuschauer werden geschockt sein» - Arabische TV-Serie über den IS

25.05.2017

Seit drei Jahren verbreitet die Terrormiliz Islamischer Staat Angst und Schrecken. Jetzt, zu Beginn des Fastenmonats Ramadans und der Zeit hoher Einschaltquoten, bringt ein arabischer Sender eine Serie über das Leben unter dem IS - basierend auf wahren Geschichten. Von Weedah Hamzah

Sklaverei, Dschihadisten-Sex, Gehirnwäsche bei Kindern und Frauen, Selbstmordanschläge: Der Terror der Terrormiliz Islamischer Staat schockt arabische Länder und die gesamte Welt seit drei Jahren. Ein TV-Sender mit saudischen Eigentümern zeigt nun die erste Serie überhaupt über die sunnitischen Dschihadisten und ihren Alltag anhand von wahren Geschichten. Und das zu einer der besten Einschaltzeiten überhaupt, dem Fastenmonat Ramadan.  

Während der Fastenzeit, die abhängig vom Neumond voraussichtlich am Samstag beginnt, gehen die TV-Zuschauerquoten in der ganzen arabischen Welt für gewöhnlich steil nach oben: Nach dem Fasten vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung versammeln sich Muslime, um zu speisen und ihre Lieblingsdarsteller in teuren Shows zu bewundern.

Genau diese Gewohnheit will nun der beliebte Sender MBC mit Hauptsitz in Dubai für den Start einer 30-teiligen Serie über den IS nutzen. Das Drama heißt «Black Crow» (Schwarze Krähen) in Anspielung auf die Vögel, die traditionell als Vorboten von Unglück gelten. 

Die Geschichten, die die Serie erzählt, stützen sich auf Berichte von Menschen, die einst unter der Kontrolle der sunnitischen Extremisten gelebt haben oder von ihnen rekrutiert wurden, wie MBC-Direktor Ali Dschaber sagt. «Unser Ziel ist es, dieses Thema zu beleuchten, das zu einer täglichen Sorge der Menschen geworden ist und zu zeigen, wie sie davon beeinträchtigt werden.»

In «Black Crows» geht es auch darum, wie die Terrormiliz junge Männer und Frauen in aller Welt kontaktiert, um diese für ihre Ziele zu gewinnen. Ferner zeigt die Serie, wie Kinder als wichtige Zielgruppe von Terrororganisationen angeworben werden und welchem Missbrauch sie ausgesetzt sind, wie MBC in einer Mitteilung schreibt.

Schauspieler aus verschiedenen arabischen Ländern wirken in der Serie mit, darunter Darsteller aus Saudi-Arabien, Kuwait, Ägypten, dem Irak und Syrien. Einige sind besonders erfreut, mitspielen zu können. «Wir wollen, dass diese Serie in jedem Haushalt gesehen wird, damit die Menschen wissen, was Daesh (arabisches Akronym für IS) wirklich ist», sagt der Syrer Mohammed al-Ahmed, der einen IS-Emir - ein ranghohes Führungsmitglied - gibt. «Syrer und die gesamte arabische Welt leben mit dieser Gefahr. Wir sind verantwortlich dafür, sie wegzudrücken. Diese Leute (der IS) haben nichts mit dem Islam zu tun».

Die saudische Schauspielerin Asil Omran stellt eine Frau dar, die gegen ihre Familie rebelliert und sich dem IS anschließt. «Meine Rolle zeigt vor allem den starken Einfluss, den Daesh auf die Menschen hat und wie sie (die Extremisten) mit dem Verstand von Männern, Frauen und Kindern spielen», sagt sie. Es sei die erste Serie, die die Beziehungen und die Zustände im Innern der Terrormiliz zeige, betont sie: «Die Zuschauer werden geschockt sein über das Ausmaß der Unzivilisiertheit innerhalb der Gruppe», meint Omran.

«Black Crows» will die Wichtigkeit von guter Erziehung, Bewusstsein und Vorbeugung in den Fokus rücken, indem sie Terrorismus und die Wirklichkeit der IS-Ziele zeigt und die verabscheuungswürdigen Taten der IS-Chefs und ihrer Partner analysiert», heißt es bei MBC.

Direktor Dschaber ist sich sicher, dass die Serie ein Einschalthit werden wird. «Rund 150 Millionen Menschen schauen täglich unseren Kanal. Deshalb sind unsere Erwartungen für das Drama sehr hoch.»

Allerdings könnte die Serie auch die Extremisten erzürnen. Schon einmal, 2015, war der IS in einer Comedy-Show auf MBC verspottet worden. Damals erhielt Hauptdarsteller Nasser al-Kasabi postwendend Todesdrohungen. Doch Dschaber schiebt alle möglichen Bedrohungen als Reaktion auf «Black Crows» beiseite. «Unser Ziel ist es einfach nur, einen Ruf nach Mäßigung in der arabischen Welt auszusenden». (dpa)

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