Die neue «Hijarbie» - Debatte um Barbie mit Kopftuch

20.11.2017

Im kommenden Herbst soll erstmals eine Barbie mit Kopftuch auf den Markt kommen. Sie wurde in Anlehnung an die amerikanische Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad gefertigt, wie die US-amerikanische Spielzeugfirma Mattel auf ihrer Website erklärte. Muhammad war im vergangenen Jahr in Rio die erste muslimische US-Athletin, die bei den Olympischen Spielen mit einem Hidschab antrat. Der Hidschab bezeichnet das traditionelle islamische Kopftuch. Es bedeckt Haar, Ohren, Hals und Schultern und lässt das Gesicht frei. "Wir hoffen, diese Puppe zeigt Mädchen, dass sie alles sein können", erklärt Mattel.

Die Reaktionen auf die Neuheit aus der "Sheroe"-Reihe (frei übersetzt: Heldin) fallen unterschiedlich aus. Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour warnte am Dienstag davor, es als reine Geldmacherei von Kapitalisten anzusehen. Das Kopftuch sei nicht nur ein Kleidungsstück, "sondern es soll sexuell erregende Reize verdecken. Wenn Kinder es tragen oder Ihnen durch eine solche Barbie mit Hidschab demonstriert wird, dass dies normal sei, macht man sie erst recht zu einem Sexobjekt".

Konservative Eltern erhielten mit dem neuen Produkt die Möglichkeit, ihrer Tochter ihre Sichtweise auch im Spiel zu vermitteln. "Die Produktvielfalt von Mattel führt so dann zu einer Einfalt", sagte er.

Die Islamlehrerin Lamya Kaddor plädiert für Gelassenheit in der Diskussion. "Jeder hat die Möglichkeit, einfach eine andere Barbie zu kaufen", sagte sie auf Anfrage. Fatal wäre es, wenn es plötzlich nur noch Barbies mit Kopftuch geben würde. Kaddor lenkte den Blick auf die aktuelle #MeToo-Debatte über Sexismus. "Mattel wurde früher dafür kritisiert, lediglich blonde, halbnackte, große, dünne Barbies anzubieten, jetzt werden sie vielfältiger und es ist immer noch nicht gut."

Kaddor sagte, sie plädiere für eine differenziertere Betrachtung solcher Themen. "Wir leben in bunten Gesellschaften, eine Barbie mit Kopftuch ist wie die dunkelhäutigeren Varianten nur ein weiterer Ausdruck davon, und das ist gut so."

Ihre Ablehnung der neuen Barbie-Version erklärte die muslimische Frauenrechtlerin Seyran Ates auf Twitter: "Man wird das Kopftuch in Zukunft als etwas 'Normales' auffassen, das einfach zum Islam gehört. Es ist aber nicht normal, sondern antifeministisch: Es teilt Mädchen in 'gute' und 'schlechte'".

Islamkritiker Hamed Abdel-Samad äußerte auf Facebook seine Bedenken. In einer solchen Kreation und durch hilflose Äußerungen über den Islam werde die derzeitige Lage "beschönigt". "Weil man gescheitert ist, den Islam zu modernisieren, versucht man lieber die Moderne zu islamisieren, um es für Muslime schmackhaft zu machen."

Manche Twitter-Nutzer erwarteten klare Worte von Feministinnen, die in der Vergangenheit das unrealistische Körperbild von Barbie kritisiert hatten. Andere sehen einen Schritt für mehr Offenheit: "Das bunte und tolerante Weihnachten kann kommen." Ein anderer fragt, wann Barbies männlicher Spielgefährte Ken mit Kippa komme. (KNA)

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