Demonstranten in Bagdad erobern dritte Brücke zurück

18.11.2019

Die Demonstranten im Irak haben die Kontrolle über eine dritte Brücke im Zentrum der Hauptstadt Bagdad wiedererlangt. Die Sicherheitskräfte setzten am Sonntag Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menschen am Überqueren der Ahrar-Brücke zu hindern. Jenseits des Flusses liegt die Grüne Zone der Hauptstadt mit den Ministerien und ausländischen Botschaften.

Die Demonstranten errichteten auf der Brücke eine Barrikade aus alten Schränken, Mülltonnen und Metallteilen, während die Sicherheitskräfte hinter Mauern Stellung bezogen, die eigentlich zum Schutz vor Bombenanschlägen dienen.

Am Samstag hatten die Demonstranten bereits Teile der benachbarten Sinak-Brücke besetzt und ein nahegelegenes Hochhaus, aus dem Sicherheitskräfte die Regierungskritiker eine Woche zuvor vertrieben hatten. Eine dritte Brücke, die Jumhuriya-Brücke, ist seit Ende Oktober unter Kontrolle der Demonstranten.

"Wir setzen unsere Bewegung des Generalstreiks fort, bis wir die Regierung zum Rücktritt gezwungen haben", sagte der Kundgebungsteilnehmer Hassan al-Tufan in Basra. Die Sicherheitskräfte riegelten den Zugang zur iranischen Botschaft in Bagdad ab. Bei den Kundgebungen wurden wiederholt anti-iranische Parolen laut, weil die Demonstranten dem Iran vorwerfen, die Regierung in Bagdad zu stützen.

Auch in anderen irakischen Städten haben am Sonntag erneut tausende Menschen gegen die Regierung protestiert. Kundgebungen gab es ebenfalls in Kut, Nadschaf, Diwanija, Nassiriya und Basra. Die aktuelle Protestwelle hatte am 1. Oktober eingesetzt. Seither wurden mehr als 330 Menschen getötet, vor allem Demonstranten.

Trotz des Einsatzes massiver Gewalt durch die Sicherheitskräfte gehen die Regierungskritiker im Irak seit Anfang Oktober auf die Straße. Die Demonstranten werfen der herrschenden politischen Klasse Bestechlichkeit und die Vertretung ausländischer Interessen vor und fordern ihren Abgang. Sie fordern nicht nur den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Abdel Adel Mahdi, sondern den Austausch der gesamten Eliten und eine Reform des politischen Systems. Es sind die größten Proteste seit dem Sturz des damaligen Staatschefs Saddam Hussein 2003. (AFP/Reuters)

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.