Bundesfinanzminister Schäuble: Zusammenleben mit vielen Muslimen ist eine Chance

25.05.2017

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich positiv über die wachsende Zahl von Muslimen in Deutschland geäußert. Es sei eine Chance für Christen, aber auch Atheisten und Andersgläubige, «dass wir mit einer stärkeren Zahl von Menschen aus der islamischen Religion und aus der islamischen Tradition zusammenleben», sagte Schäuble am Mittwochabend im Deutschlandfunk. Im weltanschaulich neutralen Staat brauche es «eine gewisse Wertebindung des Menschen auch aus anderen Quellen heraus».

Schäuble sieht das Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland auch als Chance für die Bundesrepublik. «Wir können von ihnen auch lernen», sagte er. Im Islam würden «sehr viele menschliche Werte sehr stark verwirklicht". Damit meine er «auch die Toleranz» und Gastfreundschaft: «Ich glaube zum Beispiel, dass Juden über Jahrhunderte in islamisch geprägten Ländern weniger zu leiden hatten als in christlich geprägten Ländern.» Um die Ordnung des Grundgesetzes zu leben und zu verwirklichen, müsse mit den Muslimen ein Dialog über das Zusammenleben geführt werden, weil der Islam ein Teil Deutschlands sei: «Das ist eine Tatsachenbeschreibung, die kann man einfach schlecht bestreiten.»

Zwar sei das Grundgesetz von einer «aus dem Christentum und aus dem Judentum herrührenden Tradition» geprägt, sagte Schäuble in dem Interview am Rande des evangelischen Kirchentages in Berlin. Dennoch sei er «mit dem Begriff 'Leitkultur' ein bisschen zurückhaltend». Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte vor einigen Wochen mit seinen zehn Thesen für eine deutsche Leitkultur eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Die Aussage, der Islam sei «ein Teil Deutschlands geworden», sei «eine nüchterne Sachverhaltsfeststellung». «Wer ihn bestreitet, bestreitet die Wirklichkeit und ist deswegen kein tauglicher Politiker», sagte Schäuble.

Die großen Weltreligionen sind nach Schäubles Worten «eigentlich gemeinschaftsstiftend» und dürften nicht für die weltliche Ordnung instrumentalisiert werden. «Ich hoffe, dass es gelingt, dass das Verbindende zwischen den großen Religionsgemeinschaften trägt», sagte der Christdemokrat.

Er würdigte die Reformation vor 500 Jahren als «eine der geistigen Grundlagen der modernen Freiheitsbewegung». Der Reformator Martin Luther habe die Bibel übersetzt, damit sie jeder Mensch selbst lesen und sich eine Meinung bilden könne. Der Kirchentag in Berlin und Wittenberg steht in diesem Jahr im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Schäuble hält bei dem Protestantentreffen am Samstag in Berlin eine Bibelarbeit und spricht auf einem Podium zum Thema Europäische Union. (epd/AFP)

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