Al-Azhar-Rektor: Islam nicht für Gewalt und Terror missbrauchen

30.01.2018

Gegen einen Missbrauch von Religion zur Begründung von Gewalt und Terror hat sich der Rektor der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Mohammad Al-Tayyeb, gewandt. Gott fordere die Menschen nie zur Gewalt auf, sagte Al-Tayyeb im Interview der "Herder Korrespondenz". "Wenn die Religion für andere Ziele - politische oder imperialistische - instrumentalisiert wird, kommt sie vom richtigen Weg ab."

Ursachen für Gewalt und Terror seien dabei heute nicht die "heiligen Texte der Religionen", sondern "die Ungerechtigkeiten der Weltpolitik, hegemoniale Tendenzen, die Versuche der Okkupation, das Verlangen, die Quellen des Reichtums und die natürlichen Ressourcen zu beherrschen", betonte der Religionsführer. Er kritisierte, die Welt sei heute in Arm und Reich gespalten. Den besitzenden und herrschenden 10 Prozent stünden 90 Prozent "in Armut, in Krankheit und in Unwissenheit" gegenüber. "Das Traurigste dabei aber ist, dass die begünstigten 10 Prozent alles dafür zu tun versuchen, dass diese Situation bestehen bleibt, damit sie ihre Privilegien behalten - auch auf Kosten des Leidens der anderen 90 Prozent."

Die theologische Grundhaltung seiner Hochschule, der angesehensten Lehrstätte des sunnitischen Islam, bezeichnete Al-Tayyeb als moderat. Die Al-Azhar-Universität mit aktuell 400.000 Studenten habe in ihrer mehr als 1.000-jährigen Geschichte immer einen "Mittelweg" verfolgt. Dies bedeute, so der Hochschulrektor, "nicht den Weg der Extremisten einzuschlagen, aber auch nicht den Weg der Modernisierer, die die Religion aufweichen wollen und die falschen Werte akzeptieren, die mit der Moderne aufgekommen sind". (KNA)

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