Aiman Mazyek warnt vor zu schneller Rückkehr in Moscheen

22.05.2020

Aiman Mazyek warnt mit Blick auf das Fest des Fastenbrechens vor einer übereilten Rückkehr der Gläubigen in die Moscheen. «Wer sich jetzt von der romantischen Idee leiten lässt, es sei alles wie immer, der irrt», sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Normalität werde es in den Moscheegemeinden vorerst nicht geben. Aktuell werde diskutiert, wie die Hygiene- und Abstandsvorschriften gegen die Verbreitung des Coronavirus am besten mit der religiösen Praxis vereinbart werden können.

Mazyek erklärte, einige Moscheen würden zwar wieder Nachtgebete und Freitagsgebet abhalten und auch zum Ende des Ramadans, dem Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) ab Sonntag, seien einige kleinere Veranstaltungen geplant. Der Zentralrat empfehle aber, alle Gemeinschaftsgebete und Festgebete in der Moscheegemeinschaft bis Ende Mai auszusetzen. Seit dem 9. Mai dürfen die Moscheen offiziell wieder unter Auflagen für Gottesdienste öffnen. «Aber wir beobachten, dass sehr viele Gläubige von sich aus sehr zurückhaltend sind, was den Gang zur Moschee angeht. Sie sind grundsätzlich vorsichtig», sagte Mazyek.

Der Fastenmonat Ramadan sei in diesem Jahr «völlig anders» als sonst. «Natürlich sind sehr viele Muslime traurig, dass die spirituelle Gemeinschaftlichkeit nicht stattfinden kann, wie sie es gewohnt sind», sagte Mazyek. Auf Feiern im größeren Familienkreis werde weitgehend verzichtet, wie auch auf größere Anlässe in den Moscheegemeinden. «Das ist traurig, das ist frustrierend und ein großer Einschnitt in die religiöse Praxis.»

Dennoch sei er stolz darauf, wie die Gemeinden mit der Extrem-Situation umgingen, sagte Mazyek. So hätten einige Gemeinden mit «Iftar to Go» eine Möglichkeit geboten, mit der Bedürftige trotz Corona das traditionelle Essen zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang bekommen könnten. Es gebe auch Ideen, ein ähnliches Angebot für Kindergeschenke auf die Beine zu stellen.

Zum Ende des Ramadans gibt es in vielen muslimischen Familien Geschenke. Viele Muslime hätten zudem digitale Möglichkeiten wie Skype oder Zoom genutzt, um zumindest virtuell bei Familienmitgliedern und Freunden zu sein. Predigten hätten über soziale Medien stattgefunden.

Die Corona-Krise wirke sich auch finanziell auf die Moscheegemeinden aus, erklärte Mazyek: «Einige stehen kurz vor dem Bankrott, weil die Kollekte vollständig weggebrochen ist, laufende Kosten aber weiterhin gezahlt werden müssen.» Viele Gemeinden würden sich gegenseitig finanziell unterstützen. Auch einige Bundesländer hätten Finanzhilfen gezahlt oder die Gemeinden bei Spendenaktionen unterstützt.

Vor allem in Berlin seien solche Hilfen unbürokratisch ermöglicht worden. Im Ramadan erzielen die Gemeinden Mazyek zufolge etwa 30 bis 50 Prozent ihrer jährlichen Spendeneinnahmen. In diesem Jahr seien es wegen der geschlossenen Moscheen nur etwa zehn bis 20 Prozent des gewohnten Betrags gewesen. (epd)

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