Aiman Mazyek: «Ich will langfristig auch keine Imame aus dem Ausland»

27.11.2018

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, will auf längere Sicht ausländische Imame in deutschen Moscheen vermeiden. «Ich will lang- und mittelfristig auch keine Imame aus dem Ausland mehr», sagte er. Benötigt würden aber Übergangsregelungen. Mazyek schlug ein «duales Modell» vor, «wonach Religionslehrer zu 50 Prozent in einer Schule, zu den anderen 50 Prozent in der Gemeinde arbeiten – getrennt finanziert».

Die Kosten für den Stellenanteil an der Schule trage dann der Staat, den anderen übernähmen die Moschee-Gemeinden. «Das würde Übergänge schaffen und gleichzeitig die Neutralität des Staates gewährleisten», argumentierte Mazyek. Hier könne die Politik konkrete Anreize schaffen.

Der Vorsitzende des Zentralrats sagte, es gebe in Deutschland faktisch keine Imam-Ausbildung nach dem Vorbild etwa des Priesterseminars oder Vikariats bei den Kirchen. Nach der akademischen Theologen-Ausbildung an der Hochschule, die es seit Jahren auch für islamische Theologie an deutschen Universitäten gibt, werden Seelsorger dort im Anschluss praktisch geschult. «So stellen wir uns das für uns auch vor», sagte Mayzek und ergänzte: «Dafür brauchen wir gute und verbindliche Standards.»

An der fehlenden Verbindung zwischen den Hochschulen und den Moschee-Gemeinden scheitert derzeit der Einsatz von in Deutschland ausgebildeten Theologen als Imame. Es laufe derzeit eher «semi-professionell», sagte Mazyek.

Am Mittwoch startet die Deutsche Islam Konferenz unter Leitung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Vermeidung ausländischer Einflüsse auf deutsche Moschee-Gemeinden soll dabei ein Schwerpunkt sein. Vor allem wegen fehlender Finanzen greifen viele deutsche Moscheen auf Imame aus dem Ausland zurück. Beim größten Moschee-Verband Ditib, der verbunden ist mit der türkischen Religionsbehörde, werden Imame aus der Türkei entsandt. Seit dem Putschversuch und dem politischen Umbruch in der Türkei wird dieser Einfluss zunehmend kritisch gesehen.

Auch Mazyek plädierte für die Etablierung eines «Islams deutscher Prägung». «Den begreift der Zentralrat der Muslime als Teil seiner DNA», sagte er. Dafür müsse man in der Islamkonferenz über konkrete Herausforderungen sprechen. «Nur mit konkreter Sacharbeit kommen wir wirklich weiter», sagte er. (epd)

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