Ägyptisches Anti-Folter-Zentrum erhält Menschenrechtspreis

16.04.2018

Das ägyptische Nadeem-Zentrum für die Rehabilitierung von Opfern von Gewalt und Folter hat den 9. Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland erhalten. Die Mitarbeiter dort seien wegen ihrer Arbeit immer wieder Repressalien durch die Behörden ausgesetzt, erklärte der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, Markus N. Beeko, in Berlin. Doch trotz aller Schikanen setzten die Mitarbeiter ihr Engagement fort. Für diesen Mut und diesen Einsatz erhielten sie den Preis.

Der ägyptische Arzt und Menschenrechtsaktivist, Taher Mokhtar, arbeitete selbst im Nadeem-Zentrum und nahm den Preis stellvertretend für das Team entgegen. Weil die Mitarbeiter des Zentrums den Angaben zufolge starkem Druck der Regierung ausgesetzt sind, können sie nicht nach Deutschland kommen. Die ägyptischen Behörden hätten gegen die Gründerinnen des Zentrums, Aida Seif al-Dawla und Suzan Fayad, Ausreiseverbote verhängt. Auch Mokhtar musste demnach aus Sicherheitsgründen das Land verlassen und lebt in Frankreich.

Die Menschen in Ägypten durchlebten seit der Amtsübernahme von Präsident Abdel Fattah al-Sisi im Jahr 2013 nach Angaben der Hilfsorganisation eine dramatische Menschenrechtslage. Die Regierung gehe systematisch gegen politische Gegner vor. Polizei und Geheimdienste seien für schwere Verbrechen wie Folter, Verschwindenlassen und außergerichtliche Tötungen verantwortlich. Die ägyptische Staatsführung leugnet laut Amnesty International den Einsatz von Folter.

Seit 2016 gehen die Behörden den Angaben zufolge massiv gegen das Nadeem-Zentrum vor. Die Einrichtung dokumentiert danach seit 1993 Folter durch ägyptische Sicherheitskräfte und betrieb die einzige Klinik zur Behandlung von Folterüberlebenden. Die Klinik sei im Februar vergangenen Jahres auf Druck der Behörden geschlossen worden. Die Mitarbeiter führten ihre Arbeit in privaten Räumen und anderen Praxen fort.

Der Menschenrechtspreis der deutschen Amnesty-Sektion geht nach eigenen Angaben alle zwei Jahre an Persönlichkeiten und Organisationen, die sich unter schwierigen Bedingungen für Menschenrechte einsetzen. (KNA)

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