Ägypten führt Bemühungen um Feuerpause in Nahost an

14.05.2021

Bei den internationalen Bemühungen um ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und Palästinensern hat Ägypten die Führung übernommen. Ziel sei, beide Seiten zunächst zur einer Feuerpause ab Mitternacht zu bewegen, verlautete am Freitag aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Ein palästinensischer Vertreter sprach von Verhandlungen, die "echt und ernsthaft" verliefen. Jedoch sei bislang keine Einigung erzielt worden.

Bei den seit fünf Tagen anhaltenden Kämpfen griff Israel nach eigenen Angaben unter anderem ein Tunnelsystem von Extremisten unterhalb von Gaza an. Dabei habe das israelische Militär die Luftwaffe eingesetzt und auch mit Panzern und Artillerie über die Grenze hinweg gefeuert. Aus dem Gazastreifen gingen weiter Raketen von radikal-islamischen Gruppen wie der Hamas auf Israel nieder.

Die Regierung in Kairo versuchte zwei Insidern zufolge Druck auf die Hamas, aber auch auf die USA auszuüben. Auch Vertreter Katars und der Vereinten Nationen (UN) hätten ihre Bemühungen verstärkt, verlautete aus Palästinenser-Kreisen. "Aber bislang ist keine Vereinbarung erzielt worden."

Der UN-Sicherheitsrat will sich am Sonntag in einer öffentlichen Sitzung mit dem Konflikt beschäftigen. Diplomaten zufolge hatten sich die USA
gegen ein Treffen am Freitag ausgesprochen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Donnerstag gesagt, der Militäreinsatz werde noch Zeit in Anspruch nehmen. In israelischen Regierungskreisen hieß es dazu, der Hamas müsse vor einem Waffenstillstand ein abschreckender Schlag versetzt werden.

An dem Angriff auf die Tunnelsysteme unter Gaza waren einem Militärsprecher zufolge unter anderem 160 Kampfflugzeuge beteiligt. Der Einsatz vor Tagesanbruch dauerte 40 Minuten. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza starben dabei 13 Menschen, darunter eine Mutter und ihre drei Kinder. Israel hat an der Grenze Panzer und Infanterie zusammengezogen. Dies weckte Erinnerungen an frühere Konflikte 2009 und 2014, als auch Bodentruppen eingesetzt wurden. In israelischen Medien hieß es allerdings, der direkte Einsatz einer größeren Zahl von Soldaten sei wegen des Risikos hoher Verluste unwahrscheinlich.

NEUE ANTISEMITISCHE PROTESTE IN DEUTSCHLAND BEFÜRCHTET

Insgesamt berichteten die palästinensischen Behörden von mindestens 122 Toten - darunter 31 Kinder - und 900 Verletzten. Die israelische Behörden gaben die Zahl der Toten auf ihrer Seite mit acht an, darunter zwei Kinder. Nach UN-Angaben sind im Gazastreifen inzwischen mehr als 200 Wohnungen zerstört oder stark beschädigt worden. In Israel selbst kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Juden und der arabischen Minderheit im Land, die etwa 21 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Dabei wurden auch Synagogen angegriffen. Israels Präsident Reuven Rivlin warnte vor einem Bürgerkrieg.

In Deutschland kritisierten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, Äußerungen von Judenhass vor Synagogen und kündigten strafrechtliche Schritte an. Medienberichten zufolge erwarten deutsche Behörden am Wochenende neue antiisraelische und antisemitische Proteste.

Wie Reuters aus deutschen Sicherheitskreisen erfuhr, wird eine "breite Mobilisierung" palästinensischer und linker Gruppen für das Wochenende
beobachtet. Die Zentralräte der Muslime und der Juden kritisierten die antisemitischen Proteste vor Synagogen scharf. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte der "Rheinischen Post": "Wer Rassismus beklagt, selbst aber solch antisemitischen Hass verbreitet, hat alles verwirkt."

Die neuen Gefechte zwischen Israels Militär und der Hamas hatten nach Ausschreitungen in Ost-Jerusalem an der Al-Aksa-Moschee begonnen. Die Hamas forderte am Montag ultimativ unter anderem einen Abzug israelischer Sicherheitskräfte von dort und begann nach Ablauf ihrer Frist mit den Raketenangriffen auf Jerusalem, Tel Aviv und anderen Städten. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, Häuser palästinensischer Familien in Ost-Jerusalem zu räumen. Das Land wird von jüdischen Siedlern beansprucht. (Reuters) 

Die Redaktion empfiehlt