8. Arabisches Filmfestival Berlin

31.03.2017 - 15:00 Uhr bis 07.04.2017 - 23:00 Uhr
Kino Arsenal, fsk, Eiszeit, City Kino Wedding
10117 Berlin

ALFILM präsentiert in seiner 8. Ausgabe in der OFFICIAL SELECTION erneut aktuelle Spielfilme, Dokumentar- und Kurzfilme aus den arabischen Ländern und von arabischen Filmemachern an verschiedenen Spielstätten in Berlin – viele davon als Deutschland- oder Europapremieren. Daneben widmet das Festival im jährlichen Wechsel dem Werk bedeutender Filmemacher und Darstellern des arabischen Kinos RETROSPEKTIVEN bzw. greift in der Nebenreihe SPOTLIGHT anhand zeitgenössischer und historischer arabischer Filme genreübergreifend gesellschaftlich relevante Themen auf. Die RETROSPEKTIVE 2017 widmet sich dem ägyptischen Regisseur Shadi Abdel Salam.

OFFICIAL SELECTION

Hier eine kleine Vorauswahl von Filmen der diesjährigen Official Selection, die erneut ein breitgefächertes Themenspektrum umfasst:

In Tramontane (Libanon/Frankreich/Qatar/VAE 2016) von Vatche Boulghourjian muss der junge, blinde, aus einem beschaulichen Dorf stammende Musiker und Sänger Rabih zum ersten Mal einen Reisepass beantragen, als sein Chor zu einer Aufführung ins Ausland eingeladen wird. Dabei findet er heraus, dass seine Papiere gefälscht sind und seine Identität nicht das ist, was seine Familie ihn glauben lässt. Auf der Suche nach Hinweisen zu seiner Herkunft reist Rabih durch den Libanon. Doch statt Antworten zu finden, trifft er nur auf neue Geheimnisse.

Um drei ungleiche Geschwister geht es in der deutsch-kurdischen Produktion Haus ohne Dach der aus Duhok stammenden Regisseurin Soleen Yusef. Liya, Jan und Alan sind in Iraqi Kurdistan geboren und in Deutschland aufgewachsen. Der Tod der Mutter bringt die drei nach langer Zeit getrennter Wege wieder zusammen. Es ist ihr letzter Wunsch gewesen, neben dem im Krieg gefallenen Vater beerdigt zu werden. Gegen den resoluten Widerstand der Großfamilie in Duhok brechen die drei Geschwister auf eine abenteuerliche Odyssee durch Kurdistan auf. Dabei werden sie nicht nur mit einem ungeheuerlichen Familiengeheimnis konfrontiert, sondern auch mit ihren eigenen Dämonen. Der Debüt-film wurde 2016 mit dem First Steps Award ausgezeichnet.

In The Last of Us (Tunesien/Katar/VAE 2016) durchquert ein afrikanischer Flüchtling die Wüste zu Nordafrika. Nach einem Überfall findet er sich allein in Tunesien wieder. Mit einem gestohlenen Boot versucht er das Meer auf dem Weg nach Europa zu überqueren. Doch er strandet an einem sonderbaren Ort, wo er komplett auf sich selbst zurück geworfen wird. Um zu überleben, muss er ein neues Verhältnis zur Natur, zu physischen und psychischen Grenzen, und vor allem zu sich selbst entwickeln. Die surreale Odyssee ist Ala Eddine Slims Langspielfilmdebüt.

Die Dokumentation The War Show (Dänemark/Finnland/Syrien 2016) widmet sich der syrischen Radiomoderatorin Obaidah Zytoon, die im Frühjahr 2011 an den Protesten gegen das Assad-Regime teilnimmt. Zusammen mit einer Gruppe von Freunden – Künstler und Aktivisten – beginnt sie die Aufstände und den Alltag ihrer Freunde mit ihrer Kamera zu dokumentieren, zeichnet aber auch sehr intime Momente auf. Unter dem zunehmenden Druck des Regimes verlässt Obaidah Damaskus und reist durch das Land. Erst im türkischen Exil wird ihr klar, wie wertvoll die Dokumente auf ihren geschmuggelten Festplatten sind. Regie: Andreas Dalsgaard/Obaidah Zytoon

Ein weiterer, 2015 entstandener Dokumentarfilm von Amber Fares portraitiert die Speed Sisters aus Palästina, das erste komplett weibliche Rennteam der arabischen Welt. Die 19-jährige Marah aus Jenin ist der aktuelle Champion. Herausgefordert wird sie von der ambitionierten Betty aus Bethlehem, dem Covergirl der palästinensischen Rennszene. Auch für Noor, die Athletin, und Mona, die Veteranin, ist der Platz hinterm Lenkrad der Himmel auf Erden. Zusammen mit Kapitänin Maysoon kämpft das Team nicht nur um die besten Startplätze und Ersatzteile, sondern auch gegen konservative Vorurteile und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in der besetzten West Bank.

Die Langzeitdokumentation Zaineb Hates the Snow (Tunesien/Frankreich/ Katar/Libanon/VAE 2016) von Kaouther Ben Hania beobachtet die neunjährige Zaineb beim Erwachsen werden. Nach dem Tod des Vaters möchte Zainebs Mutter Wided mit den beiden Kindern von Tunesien nach Kanada auswandern, um erneut zu heiraten. Dort kann sie endlich einmal Schnee sehen! Doch Zaineb hat beschlossen, Schnee zu hassen und bringt auch Stiefvater Maher nicht besonders viel Sympathie entgegen. Dessen altkluge Tochter Wijdene gibt sich derweil alle Mühe, Zaineb die neue Heimat schmackhaft zu machen.

In Ghost Hunting (Frankreich/Palästina/Schweiz/Katar 2017) schließlich kämpft Regisseur Raed Andoni mit den Geistern der Vergangenheit – als Jugendlicher war er im berüchtigten israelischen Verhörzentrum Moskobiya inhaftiert. 30 Jahre später stellt er eine Gruppe von ehemaligen Häftlingen zusammen, die am selben Ort inhaftiert waren. In Anlehnung an Theatertechniken rekonstruieren sie die Infrastruktur des Gefängnisses und diskutieren Verhörtechniken. In dem Maße, wie sich Realität und Reinszenierung durchmischen, gelangen die Männer psychisch und physisch an ihre Grenzen. Für seine beeindruckende Untersuchung der Gefangenschaft als existentielle Erfahrung wurde der Film mit dem Dokumentarfilmpreis der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet.

RETROSPEKTIVE – Shadi Abdel Salam

Die diesjährige Retrospektive widmet sich dem Regisseur Shadi Abdel Salam (1930–86), der – obwohl nur ein Langfilm von ihm vorliegt – zu den wichtigsten und einflussreichsten Regisseuren Ägyptens zählt.Der 1969 entstandene Film The Night of Counting the Years (Al Mummia) gilt als Meilenstein der arabischen Filmgeschichte: 

Ägypten 1881. Salim ist der Chef eines Clans, der seit Jahrzehnten davon lebt, Pharaonengräber in der nahliegenden Nekropole des Totentempels auszurauben und ihre Schätze zu verkaufen. Nach seinem Tod erfahren seine Söhne vom Geheimnis der Gräber und sollen nun das Geschäft des Vaters weiterführen. Doch der junge Sohn Wanas weigert sich. Die Familie gerät ins Visier der Polizei und ein Familienkonflikt bricht aus. Al Mummia besticht mit einer einzigartigen Filmsprache und poetisch komponierten Bildern. Der Film wurde im Rahmen des World Cinema Project von der Cineteca di Bologna restauriert.

Zudem werden die Kurzfilme Armies of the Sun (Ägypten 1974), Horizonte (1972) und The Eloquent Peasant (1970) gezeigt.

Ausführliche Informationen zum Festivalprogramm finden Sie in Kürze auf www.alfilm.de.