66. Berlinale: Schauplatz für verbotene iranische Filme

15.02.2016

Vor drei Jahren war es so, im vergangenen Jahr auch. Bei der Berlinale gezeigte und auch ausgezeichnete iranische Filme sind im Land selbst verboten. Auch diesmal sind zwei Regiearbeiten dabei, die «verbotsverdächtig» sind. Von Farshid Motahari

Die iranischen Kulturbehörden sehen es gar nicht gerne, wenn im Iran verbotene Filme im Ausland gefeiert werden. Richtig sauer werden sie aber, wenn jemand Arbeitsverbot hat, trotzdem heimlich Filme macht und für diese dann zweimal bei einem internationalen Filmfestival ausgezeichnet wird.

Das passierte bei der Berlinale, wo Jafar Panahi 2013 mit dem Film «Geschlossener Vorhang» den Silbernen Bären für das beste Drehbuch und 2015 mit «Taxi Teheran» sogar den Goldenen Bären gewann. Panahi darf wegen einer politischen Verurteilung bis 2030 nicht arbeiten, das Land nicht verlassen und nicht mal mit der Presse reden.

Daher gab es letztes Jahr auch große Aufregung um den ersten Preis für Panahis «Taxi Teheran». «Illegales Taxi fährt nach Berlin», schrieb das Kulturinstitut Aviny. Kritik kam auch aus dem Kultusministerium. «Die Berlinale stand mal für Kultur und Kunst, jetzt aber hören wir immer wieder die lauten Schritte der Politik», sagte der Kinobeauftragte Hodschatollah Ajubi.

Auch dieses Jahr nehmen wieder zwei Filmemacher aus dem Iran an der Berlinale teil, deren Filme schon im Vorfeld kontrovers sind. Mani Haghighi ist mit «Ejhdeha Vared Mishavad!» («A Dragon Arrives!») im Wettbewerb, Reza Dormishian mit «Lantouri» in der Panorama-Reihe vertreten.

Medienangaben zufolge geht es in Haghighis fünftem Spielfilm um ein Geheimnis auf einer Insel am Persischen Golf. Dort durften einst die Einwohner ihre Toten auf dem hiesigen Friedhof nicht begraben. Als einer der Einwohner es trotzdem tut, gibt es auf der Insel ein verheerendes Erdbeben. Der Drache kommt. Durch Tagebücher eines ermordeten politischen Gefangenen versucht ein Detektiv, hinter das Geheimnis zu kommen.

In Haghighis Film spielen angeblich auch Personen, die im Iran als Dissidenten und als Persona Non Grata gelten. Deswegen sollen die Szenen mit diesen Personen zensiert werden. Bis jetzt hat sich die Zensurbehörde bei Haghighi noch nicht gemeldet. «Aber was nicht ist, kann ja noch werden», sagte er der Nachrichtenagentur ISNA.

In Dormishians Film verliebt sich ein Mitglied der Erpresser-Gang «Lantouri» in eine Journalistin, die aber nichts von ihm wissen will. Daraufhin schüttet er ihr Säure ins Gesicht. Das Gesicht der jungen Frau ist entstellt und sie erblindet. Nach islamischem «Auge-um-Auge-Prinzip» hat sie das Recht auf direkte Vergeltung. Sie will dieses Recht wahrnehmen und ihren Peiniger auch mit ätzender Flüssigkeit blenden.

Der dritte Film des jungen Regisseurs basiert auf einer wahren Geschichte. Im Jahr 2004 schüttete ein verschmähter Verehrer der damals 26-jährigen Ameneh Bahrami Säure ins Gesicht. Die daraufhin erblindete Frau hatte das Recht auf direkte Vergeltung, auf die sie aber verzichtete. Der Fall sorgte damals für viel Aufregung im Iran. «Man fragte sich, ob man dem brutalen Täter wirklich das gleiche entsetzliche Schicksal wünscht wie das des Opfers?», so eine iranische Rechtsanwältin über den Fall Bahrami.

Auch der 34-jährige Dormischian gehört nicht gerade zu den Lieblingsregisseuren des Kultusministeriums. Sein 2014 auch auf der Berlinale aufgeführter Film «Ich bin nicht wütend» ist im Iran immer noch verboten. Er handelt von den politischen Unruhen nach der angeblich manipulierten Präsidentschaftswahl 2009, die zur Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad führte. «Diese Ära ist ein wunder Punkt für das Establishment und als Spielfilm daher absolut tabu», sagt ein Filmkritiker in Teheran.

Zwei weitere iranische Filme laufen im Generation-Programm für Kinder und Jugendliche. «Royahaye Dame Sobh» (Starless Dreams) von Mehrdad Oskouei ist ein Dokumentarfilm über ein Rehabilitationszentrum für Mädchen im Iran. Dort sollen die wegen Mord, Raub oder Drogenhandel verurteilten jungen Mädchen ins Leben zurückfinden. 

«Valderama» von Abbas Amini (Iran) schildert die Geschichte eines Waisenjungen aus der Provinz. Der Junge, der seine Haare wie sein kolumbianisches Fußball-Idol Carlos Valderrama trägt, versucht in der Hauptstadt Teheran ein neues Leben zu beginnen.

Präsident Hassan Rohani hat mit dem Atomabkommen für ein Ende der internationalen Isolierung des Landes gesorgt. Aber die innen- und besonders kulturpolitischen Erwartungen konnte er noch nicht erfüllen. Daher konnte sich auch Panahi über seine beiden Bären nicht so richtig freuen. Der 55-Jährige wäre nach eigenen Worten glücklicher, wenn er anstatt internationale Preise für heimlich gedrehte Filme zu bekommen, wieder im Iran vernünftig arbeiten könnte. 

Ähnliche Kritik an Rohani kommt auch von der seit 2009 im Exil lebenden iranischen Friedensnobelpreisträgern Schirin Ebadi «Ich hoffe, dass nach der Versöhnung mit der Außenwelt, nun auch eine Versöhnung mit dem iranischen Volk folgen wird», erklärte sie Mitte Januar in einem Schreiben an den Präsidenten. (dpa)

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