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Al-Kaida-Appell an Hamas
Eine "neue Hamas" - ein neuer Friede?



Die Hamas distanziert sich von Bin Laden und relativiert ihre eigenen früheren Forderungen. Ein Zeichen der Hoffnung für den Friedensprozess im Nahen Osten? Peter Philipp kommentiert

Hamas-Chef Chaled Maschaal; Foto: AP
Lässt sich nicht von Al Kaida instrumentalisieren: Hamas-Chef Chaled Maschaal
Unerwartete Töne aus Gaza: "Hamas" vertrete einen gemäßigten Islam und man denke nicht daran, Appelle von "Al Kaida" zu befolgen. Diese Organisation sei kein Vorbild für "Hamas" und sie vertrete auch nicht den wahren Islam.

Mit solch schroffer Ablehnung hatte Ayman al-Zawahiri wohl nicht gerechnet, als der Chefideologe Osama Bin Ladens "Hamas" in einem Videoappell aufrief, die Verträge aufzukündigen, die Arafat mit Israel geschlossen habe. Diese Verträge seien Verrat an der palästinensischen Sache gewesen. Widerstand und Kampf gegen Israel müssten aber fortgesetzt werden.

"Hamas" ging dem ägyptischen Demagogen nicht auf den Leim. Denn Zustimmung zu seinem Aufruf wäre ja wohl der beste Beweis dafür gewesen, dass der Wahlsieger vom Januar eben doch die radikale Gruppe von Terroristen ist, als die Israel, die USA und selbst die EU sie bezeichnen.

"Hamas" beharrt zwar bisher auf seinen Statuten, in denen unverändert von der Zerstörung Israels die Rede ist, aber es zeichnet sich doch langsam ab, dass Macht auch Radikale korrumpieren kann: So scheinen die Verantwortlichen von "Hamas" langsam einzusehen, dass sie das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen können und dass sie auf die Gegebenheiten aufbauen müssen, die seit den Verträgen von Oslo geschaffen wurden.

Gemeint ist damit nicht die von Israel vorangetriebene Zerstückelung der palästinensischen Gebiete oder der Bau der gigantischen Trennmauer, auch nicht die Enteignung palästinensischen Bodens oder der Ausbau weiterer israelischer Siedlungen.

Gemeint ist das Prinzip, dass Palästinenser und Israelis einander als Realität akzeptieren und dass die Israelis nicht mehr das ganze biblische Land Israel – das historische Palästina – für sich reklamieren.

Dieser Punkt steht zwar im Widerspruch zu den Statuten der "Hamas", die bisher immer von der Befreiung besetzten Gebietes sprach, damit aber auch das Staatsgebiet Israels meinte. Seit diesem Wochenende nun sprechen Vertreter der "Hamas" von der Notwendigkeit, Israels Besatzung von 1967 zu beenden.

Das aber war der – später freilich verwässerte – Grundsatz der Oslo-Verträge: Die Basis zu schaffen für zwei Staaten im historischen Palästina. So, wie die Vereinten Nationen es bereits 1947 in ihrem Teilungsplan empfohlen hatten.

Wenn "Hamas" wirklich auf diese Linie einschwenken sollte, dann gibt es Hoffnung. Man hätte eine von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützte Regierung, die sicher in der Lage wäre, den Palästinensern eine Zweistaaten-Lösung zu verkaufen.

Vermutlich war dies auch die Botschaft, die eine "Hamas"-Delegation aus Moskau mitgenommen hatte: Entgegen allen anfänglichen Befürchtungen, die Russen könnten den Konsensus über "Hamas" verlassen, empfahlen diese ihr mehr Realpolitik und eine offenere und konziliantere Haltung gegenüber Israel.

Nur Stunden später kam die Zurückweisung des Al-Kaida-Appells durch "Hamas". Vielleicht erste Früchte der russischen Strategie? Wie auch immer – wenn dies die neue Linie ist von "Hamas", wird man sich in Jerusalem, Washington und Brüssel bald etwas Neues einfallen lassen müssen zum Thema "Hamas".

Peter Philipp

DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2006



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