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USA-Spionage im Iran
Ein Wahnsinnsunternehmen



Der Iran sei "das nächste strategische Ziel" der USA, berichtet der US-Journalist Seymour Hersh. Peter Philipp warnt in seinem Kommentar vor einer erneuten Kriegspolitik.

Seymour Hersh, Foto: dpa
Seymour Hersh - amerikanischer Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger
Wenn Seymour Hersh nicht einen so einen guten Ruf hätte, dann würde man die jüngste Geschichte des amerikanischen Aufdeckungsjournalisten wohl achselzuckend übergehen. Der Reporter der US-Zeitschrift "New Yorker" hat aber schon so manchen großen Skandal veröffentlicht. Und immer wurde zunächst dementiert, es stellte sich dann aber heraus, dass die Sache doch zutraf.

Die "Sache" in Hershs jüngster Story ist nun die Behauptung, dass amerikanische Spezialeinheiten seit Sommer 2004 im Iran tätig seien, um Ziele für einen möglichen Angriff auszuspähen.

Und natürlich wird auch diesmal dementiert. Aber nur relativ schwach: Der Bericht sei voller Ungenauigkeiten, heißt es aus offiziellen Kreisen. Was soll denn "ungenau" sein? Dass die Agenten aus Pakistan in den Iran gelangten, oder dass Präsident George W. Bush bereits Marschbefehle unterschrieben habe für Einsätze in insgesamt zehn Ländern? Oder "nur", dass Washington den Iran als Teil eines "großen Kriegsgebietes" betrachte?

Während die Atomenergiebehörde IAEA iranische Atomanlagen inspiziert und die EU sich um weitere Annäherung an Teheran bemüht - und dabei auch die USA einbinden möchte - scheint der wieder gewählte US-Präsident nichts Wichtigeres zu tun zu haben, als einen neuen Konflikt vorzubereiten. Oder den gegenwärtigen auszuweiten. Als hätten die USA im Irak nicht schon genug Probleme, und als wäre es ein Sonntagsspaziergang, im Iran einzugreifen.

Man muss nicht willfähriger Befürworter des Mullah-Regimes in Teheran sein, um solch eine Linie als Wahnsinn zu deklarieren. So, wie es Wahnsinn ist, den Irak-Krieg in Ermangelung aller Beweise für Massenvernichtungswaffen damit als gerechtfertigt zu bezeichnen, dass man ja wieder gewählt worden sei.

Aber der Iran ist natürlich nicht der Irak. Auch in diesem Punkt nicht. War im Irak fast alles in Bezug auf Massenvernichtungswaffen Produkt einer zu regen Phantasie oder gezielter Propaganda, so gibt es im Iran doch immerhin eine Reihe handfester Hinweise: Die Anstrengungen des Landes auf dem Atomsektor, die Versuche, Uran anzureichern.

Und die Fortschritte dabei, von der Gewinnung des Urans bis hin zu seinen unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten alles in eigener Regie zu tun. Und dann noch die Entwicklung leistungsfähiger Mittel- und Langstrecken-Raketen. Alles Dinge, die es im Irak nachweislich nicht gab. Die den Iran aber doch auch nicht "automatisch" zum nächsten Kriegsziel machen dürfen.

Denn der Iran betreibt sie in aller Offenheit und er erklärt sie - etwa damit, dass man alternative Energiequellen suche. Und es ist in erster Linie eine Frage des Vertrauens, ob solche Erklärungen akzeptiert werden oder nicht.

George W. Bush will solches Vertrauen nicht aufbringen, und er läuft Gefahr, mit so viel Halsstarrigkeit neues Unheil in der Region heraufzubeschwören, die er doch so gerne zum Vorgarten amerikanischer Großmachtpolitik machen würde.

Und sich schon selbst nicht mehr traut, dabei von "Demokratie" und "Freiheit" zu sprechen. Solche Worte klängen auch schal in den Ohren der Iraner, die vor ihrer Haustür - im Irak - ja beobachten können, was daraus geworden ist.

Die Iraner haben immer wieder bewiesen, dass sie Demokratie und Freiheit wollen, die Hoffnung, dass Washington ihnen dabei helfen wird, haben aber viele aufgegeben. Und die jüngsten Aufdeckungen von Seymour Hersh werden Unsicherheit und Frustration unter den Iranern eher verstärken.

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2005

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