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Bosniens multiethnische Konfessionen
Interreligiöser Dialog als Beitrag zur Versöhnung



In Bosnien-Herzegowina stellt sich nach dem Krieg der 90er Jahre das friedliche Zusammenleben von Christen, Muslimen und Juden nicht einfach dar. Einen Beitrag zur Versöhnung sehen Religionsvertreter im interreligiösen Dialog, den Politiker, Organisationen und Stiftungen künftig intensiver unterstützen wollen, wie Mirjana Dikic berichtet.

Moschee und Kathedrale im bosnischen Mostar; Foto: DW
Bild vergrössern Für eine Atmosphäre des Vertrauens der Religionsgemeinschaften wollen sich künftig Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft stärker einsetzen.
Auch mehr als zehn Jahre nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina herrschen noch Spannungen unter den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften vor. Die Gräueltaten und Massaker sind noch nicht gänzlich überwunden, Vertriebene zum Teil noch nicht in ihre Heimatorte zurückgekehrt.

Doch der Wille, in Zukunft friedlich zusammen zu leben, ist bei vielen Bosniern vorhanden. Insbesondere Religionsvertreter betrachten den interreligiösen Dialog als Weg zur Versöhnung.

Nicht auf gleicher Augenhöhe

So unterstützt z. B. die Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajewo Projekte, die den interreligiösen Dialog fördern. Ein großes, europaweit einzigartiges Projekt ist sicherlich das kürzlich gegründete "Institut für Interreligiösen Dialog". Dort sollen sich die Angehörigen der verschiedenen Religionen austauschen und sich bzw. die Religion des Anderen kennen lernen.

Denn die Schwierigkeiten bestehen offenbar darin, dass die Religionsgemeinschaften und Kirchen sich nicht auf gleicher Augenhöhe begegnen, meint Cristina Krause, Leiterin des Regionalbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajewo. Nach dem Krieg, aber auch schon vorher habe es sehr viele tiefgehende Verletzungen und Mythen gegeben, die letztendlich auch die Religionsgemeinschaften getrennt hätten, so Krause.

Um eine Wiederannäherung von außen zu unterstützen, sei es erforderlich, an etwas anzuknüpfen, was in Bosnien-Herzegowina schon vor dem Krieg existiert habe, meint Pfarrer Christoph Ziemer, der viele Jahre solche Projekte begleitet hat.

Jeder nach seinem Glaubensgesetz

"Es gibt in Bosnien eine Tradition der wechselseitigen Achtung der Religionen", erzählt Ziemer, "so gibt es zum Beispiel zwei alte bosnische Ausdrücke. Der eine heißt, dass jeder nach seinem Gesetz, d. h. jeder nach seinem Glaubensgesetz, den Glauben praktiziert. Und der andere Ausdruck besagt: Wer den Glauben eines anderen nicht achtet, der achtet auch seinen eigenen nicht."

Gedenkmarsch für die Opfer des Massakers von Srebrenica; Foto: AP
Bild vergrössern Noch immer belasten die Schatten der Vergangenheit des Kriegs das interreligiöse Verhältnis in Bosnien - Gedenkmarsch für die Opfer des Massakers von Srebrenica
In Bosnien habe man nicht sehr viel gewusst vom Glauben des Anderen, aber man habe ihn stets geachtet und respektiert.

Eine weitere Möglichkeit, einen friedlichen Weg zu finden, sei es, darüber zu sprechen, was zwischen den Völkern steht – also über den Krieg, die Gewalt.

Dafür müsse eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen werden. So berichtete Pfarrer Ziemer, der sich in der ehemaligen DDR aktiv für die Wiedervereinigung einsetzte, von der deutschen Vergangenheit und was es heißt, die eigene Schuld anzuerkennen und nach den Verbrechen weiter zu leben.

Ein "Rat für Interreligiösen Dialog"

Das gegenseitige Kennenlernen der Religion und Tradition würde Vertrauen schaffen, meint auch Mato Zovkic, Generalvikar der Erzdiözese Sarajewo. Dafür gegründet worden sei vor zehn Jahren der so genannte "Rat für Interreligiösen Dialog" in Bosnien. Versammelt sind darin die Oberhäupter aller Konfessionsgemeinschaften in Bosnien-Herzegowina.

"Wenn man jemanden nicht kennt, dann kann dieser andere, der verschieden ist, zu einer Gefahr für mich werden", meint Zovkic und fügt hinzu:"Natürlich leben wir in Bosnien seit Jahrhunderten zusammen, man weiß, was der Nachbar feiert – Weihnachten oder muslimische Feste, aber man müsste mehr über den Glauben, die Tradition, die Spiritualität des Nachbarn erfahren."

Die Religionsvertreter möchten mit gutem Beispiel vorangehen und den Gläubigen vermitteln, wenn sich die Oberen treffen und diskutieren – dann können das auch die einfachen Leute tun.

Die andere Religion erleben

Der Dialog wird auch im Zusammenleben in den einzelnen Ortschaften selbst vorangetrieben. Dort gehe es in der Hauptsache um den Dialog unter Nachbarn, über den gemeinsamen Alltag.

Ferner arbeitet der "Interreligiöse Rat" auch mit dem Nachwuchs. Im vergangenen Juni wurde zum Beispiel ein Sommercamp für 40 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren organisiert – jeweils zehn Kinder aus jeder Religionsgemeinschaft. Eine Woche sollen sie miteinander über die religiösen Sitten ihrer Glaubensgemeinschaft sprechen.

"Religionslehrer der jeweiligen Gemeinden werden dabei sein und den anderen z. B. katholische, muslimische oder jüdische Sitten erklären", berichtet Zovkic. "Das ist eine sehr gute Initiative der interreligiösen Zusammenarbeit bei der Jugend. Nach dem Krieg und den so genannten ethnischen Säuberungen ist es wichtig, dass die jungen Leute sich treffen, kennenlernen und eine Freundschaft schließen."

Mirjana Dikic

© DEUTSCHE WELLE 2007



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