
Bei aller Ideologie und latenter Militanz bleibt Abu Ammar ein Familienvater: "Recycle" porträtiert auf eindrucksvolle Weise das jihadistisch orientierte Milieu in der Stadt Zarqa.
In seinem Keller hat er tausende Zettel gesammelt, mit Korankommentaren und Aussprüchen des Propheten. Irgendwann will er ein Buch über den Jihad verfassen. Zu jedem Belang hat er eine klare Meinung, die auf dem fest gefügten Fundament seines Glaubens ruht, etwa: "Kein Muslim sollte jemals in ein nichtislamisches Land ziehen." 
Zarqa in Jordanien: In den Vorstädten herrschen soziales Elend, wirtschaftliche Armut und Arbeitslosigkeit.
So beeindruckt "Recycle" vor allem durch intensive Bildkompositionen, die einen Alltag und eine Tristesse einfangen, aus denen es kein Entrinnen gibt. Damit lässt der Film die zugespitzte Zweidimensionalität herkömmlicher Fernsehdokumentationen weit hinter sich.
Tristesse, Armut, Perspektivlosigkeit: "Recycle" beeindruckt durch intensive Bildkompositionen und ein genaues Beobachtungsvermögen.
Solche und andere Geschichten über den berühmtesten Sohn Zarqas erzählen Abu Ammar und seine Freunde mit scheinbarer Gleichgültigkeit; andererseits stößt die Kamera allerorten auf grassierendes Zarqawi-Expertentum und die Folgen eines Sensations-Tourismus: Ständig findet sich jemand, der Zarqawis Schule kennt, oder mit ihm im "Heiligen Krieg" in Afghanistan war.
Zwei Jahre lang filmte Regisseur Mahmoud al-Massad, selbst in Zarqa geboren, den Glaubenseiferer Abu Ammar.
Insgesamt zweieinhalb Jahre hat Massad diesen Mann begleitet. Entstanden ist eine atmosphärisch dichte, hautnahe Langzeitstudie, die doch zahllose Fragen aufwirft. Zu einer steilen These oder Pauschalisierung versteigt der Regisseur sich nicht: Abu Ammar hat ein Schicksal, andere Leben mögen anders aussehen.
Das Magazin KULTURAUSTAUSCH hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelle Themen der internationalen Kulturbeziehungen aus ungewohnten Blickwinkeln darzustellen. Link zur Ausgabe "Westen und Islam"
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