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Frauen im Orient - Frauen im Okzident



Foto: Hala Elkoussy
Hala Elkoussy
Orient und Okzident - entscheidend für die gegenseitige Wahrnehmung war seit jeher das Bild der Frau, wobei der dominante Blick auf beiden Seiten männlich geprägt war und die Bilder sich wandelten. Während im 19. Jahrhundert das verbreitete Stereotyp der glutäugigen, möglichst nackten Haremsdame den puritanischen Europäer vom ausschweifenden Leben der ach so "anderen" Orientalen träumen ließ, herrscht heute das Klischee von der verschleierten Muslimin vor, ein Symbol für Unterdrückung und Rückständigkeit.

Foto: Isabelle Eshraghi / Agence Vu, Paris
Isabelle Eshraghi / Agence Vu, Paris
Spiegelbildlich verlief die Entwicklung in der islamischen Welt: Dort hoffte man Anfang des 20. Jahrhunderts, durch Bildung für Mädchen und Frauen sowie durch die - notfalls auch zwangsweise – Entschleierung, den Anschluß an die westliche Moderne zu schaffen. Heute hingegen werden in der islamischen Welt emanzipierte Frauen immer häufiger als "verwestlicht" beschimpft, und für das Auseinanderbrechen der Familie sowie den Verfall von Sitten und Moral verantwortlich gemacht.

Der reale und symbolische weibliche Körper ist eine männliche Projektionsfläche, und ein Kampfplatz für Ideologien und Machtambitionen – im Orient UND im Okzident. Aber wie sehen Frauen hier und dort sich eigentlich selbst? Wie zeigen sie sich, wie werden sie gesehen, wie wollen sie gesehen werden? Was wollen sie "verschleiern", was "enthüllen"?

Foto: Shadi Ghadirian
Shadi Ghadirian
Zu diesem Thema präsentieren jetzt 28 Künstlerinnen aus 8 Ländern (Ägypten, Belgien, Frankreich, Deutschland, Iran, Portugal, Türkei und Tunesien) ihre Werke. Im Rahmen des regelmäßig veranstalteten Festivals "Frauenperspektiven" sind unter dem Titel "Frauen im Orient – Frauen im Okzident" neben einigen Collagen und Installationen hauptsächlich fotografische Arbeiten zu sehen. Konzipiert und realisiert hat die Ausstellung die Gemeinschaft der Künstlerinnen (GEDOK) Karlsruhe.

Das Medium der Fotografie nutzen die Künstlerinnen für Momentaufnahmen, die zur Reflexion und zum Nachdenken anregen, die aber auch Schmunzeln und ironische Aha-Effekte hervorrufen. Hala El-Koussy (Ägypten) illustriert mit ihrer Studie über eine junge Kairoer Angestellte und deren Haushälterin die Abgründe zwischen weiblichen Foto: Valéry Belin, Galerie Xippas, Paris
Valéry Belin, Galerie Xippas, Paris
Lebenswelten; Irinel Stegaru (Rumänien) zeigt in ihrer Serie "Die Schönheit unserer Großmütter" ungestellte Aufnahmen älterer Frauen, die – ohne dem Jugendkult zu frönen – Lebendigkeit und Lebensfreude ausstrahlen. Frappierend sind die Beiträge von Elke Reinhuber (Deutschland) und Shadi Ghadirian (Iran), deren Arbeiten trotz unterschiedlicher Biographien und Arbeitszusammenhänge eine sehr ähnliche Botschaft transportieren: Frauen werden nicht nur entmündigt, sie entmündigen sich auch selbst, und sie klammern sich an die Symbole ihrer Unterdrückung. Die namenlosen Tschador-Figuren, denen Shadi Ghadirian anstelle des Gesichts ein Bügeleisen, eine Kaffeekanne, einen Milchtopf oder andere Haushaltsgegenstände aufpropft, wirken wie eine orientalische Variante von Reinhubers überangepaßter "Lydia Leandros", die sich mit einem Kaffeefilter, einer Zigarette und anderen Alltags-Accessoires fraulich in Szene setzt, ohne sich des Drehbuchs bewußt zu sein, das sie dabei befolgt.

Ob schrill und bunt, ob nachdenklich oder selbstironisch – die Arbeiten dieser Frauen aus dem Orient und dem Okzident provozieren, schärfen den Blick und sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

Schirmherrin der Ausstellung: Prof. Dr. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: 144 S., 156 Abb, 20 EUR, in deutscher und französischer Sprache, mit einem Grußwort von Prof.Dr. Jutta Limbach und Einführungstexten von Jantje Janßen und Dr. Schoole Mostafawy.

Weitere Ausstellungstermine:
9.5. - 11.7. 2003: Bonn, Frauenmuseum Bonn
24.8. - 28.9.2003, Berlin, Kommunale Galerie Wilmersdorf
8.3. - 4.4.2004 Aalen, Rathaus der Stadt Aalen
30.5.- 20.6.2004 München, Gasteig-Ausstellungsfoyer


Weitere Informationen:
www.gedok-karlsruhe.de
Dr. Christa Hartnigk-Kümmel, Tel. 0721-45241
E-mail: gedok-karlsruhe@t-online.de
hartnigk_kuemmel@yahoo.de

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