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Iran: Feminismus im Aufwind



In den letzten Jahren hat sich in der Islamischen Republik eine Frauenbewegung entwickelt, die mit islamischen Argumenten für eine Gleichberechtigung kämpft. Katajun Amirpur stellt einige Protagonistinnen vor.

Foto: Kai Wiedenhöfer
Zunehmend selbstbewußter: Iranerin in Tehran
Die Islamische Republik Iran hat nicht den Ruf, besonders frauenfreundlich zu sein: Mit der Machtübernahme der Geistlichkeit im Jahre 1979 wurden viele Gesetze aus der Schahzeit abgeschafft, die die Frauen auf eine rechtliche Stufe mit dem Mann stellten.

Stattdessen wurde eine neue, islamische Frauenrolle propagiert. Diese neue islamische Frau zog von sich aus, so wurde argumentiert, eine dem Manne untergeordnete Stellung der Gleichberechtigung vor. Frauen, die anders dachten, wurden als verwestlicht und areligiös beschimpft.

Anfänge der Frauenbewegung

Es entstand jedoch auch eine emanzipatorische Frauenbewegung, die mit islamischen Argumenten für Gleichberechtigung eintrat. Bereits kurz nach der Revolution verfasste z.B. Shahin Tabataba'i, die 1980 als die offizielle Vertreterin der iranischen Frauen bei internationalen Frauenkonferenzen auftrat, Artikel über die Rolle der Frau. Sie plädierte darin für eine Neuinterpretation der Koranverse, die von der Frau handelten.

In den Anfangsjahren der Bewegung gingen die Frauen jedoch nicht so weit wie heute; ein wirkliches Erstarken der islamischen Emanzipationsbewegung ist erst in den letzten Jahren zu beobachten. Gleichwohl waren Frauen entgegen der landläufigen Meinung auch nach der Revolution niemals völlig einflußlos.

Sie waren nie von der Erwerbstätigkeit ausgeschlossen, und die Erwerbstätigkeit gilt gemeinhin als Voraussetzung für die Forderung nach politischen Rechten, da sie die ökonomische Unabhängigkeit vom Mann garantiert. Auch ein Absinken der Qualität der Ausbildung war nicht festzustellen.

Wie Moghadam gezeigt hat, unterminierte die kontinuierliche Partizipation von Frauen in der öffentlichen Sphäre die Idee einer theokratischen und männlichdominierten Gesellschaft. Doch obwohl sie die ökonomischen und intellektuellen Möglichkeiten zur Gegenwehr besaßen, nahmen viele Frauen in den ersten Jahren der Islamischen Republik rechtliche Bestimmungen hin, die ihre Ungleichheit zementierten.

Foto: Kai Wiedenhöfer
Zunehmend selbstbewußter: Iranerinnen demonstrieren in Teheran
Und auf staatlicher Seite überwog eine Haltung, die das Teheraner "Cultural Studies and Research Institute" in folgende Worte fasst:

"Obviously, the apparent and quantitative equality is not the only goal of sociocultural advancement of women. After the Islamic revolution in Iran, the attempt to obtain quantitative equality of women with men in educational centers, offices and factories, in and of itself, is no longer the criterion of progress."

Die islamisch argumentierenden Frauen der 90er Jahre aber wollen mehr; sie fordern dieselben Rechte wie die Männer und glauben nicht an den naturgegebenen, dem Manne untergeordneten Status der Frau.

Dass Frauen heutzutage nicht gleichberechtigt sind, liegt für die islamischen Feministinnen jedoch nicht am Koran, sondern daran, dass bisher nur Männer den Koran interpretiert haben. Sie hätten den Koran ausschließlich zu ihren eigenen Gunsten ausgelegt. Die islamischen Feministinnen Irans fordern deshalb eine Neuinterpretation.

Sprachrohr der Frauen: "Zanan"

Shahla Sherkat ist die Herausgeberin von "Zanan", der wichtigsten iranischen Frauenzeitschrift. Die vierzigjährige Diplompsychologin war von 1980 bis 1990 für die halbstaatliche Zeitschrift "Zan-e ruz" tätig, wurde aber schließlich wegen Differenzen mit den Herausgebern entlassen.

Man wurde sich nicht mehr einig über die Behandlung geschlechterspezifischer Themen. Weil sie der Auffassung war, dass Frauen wie sie in der iranischen Gesellschaft eine Bewegung in Gang setzen können, gründete sie eine eigene Zeitschrift, deren erste Nummer im Februar 1991 erschien.

"Zanan" geht ausschließlich auf Frauenthemen ein; es gebe so viele frauenspezifische Probleme, dass nach Aussagen von Sherkat kein Raum für andere Bereiche bleibt.

Anders als die meisten Frauenzeitschriften ist "Zanan" eine vollkommen unabhängige Stimme; sie ist weder staatsnah, noch gehört sie einer bestimmten politischen Fraktion an oder wird von Frauen betrieben, die mit bedeutenden Personen des öffentlichen Lebens verwandt sind.

In ihrer Zeitschrift veröffentlicht Sherkat Artikel, in denen dargelegt wird, daß nicht der Koran die Verbesserung der rechtlichen Situation der Frauen verhindert, sondern ein patriarchalisches Gewohnheitsrecht.

Angesprochen werden das Scheidungs-, Ehe- und Erbrecht, das ungleiche Blutgeld (diye), die politischen Rechte der Frau, ihre Rolle in der Verbreitung des Glaubens, die Ausreisegenehmigung der Frauen durch ihre Männer, die Kandidatinnen für die Parlamentswahlen vom März 1996 und die Teilnahme der Frauen bei den Wahlen, die Heirat von Minderjährigen und die Frage, ob Frauen Präsident werden können.
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