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1. Essay Kermani
Die Posse des Hessischen Kulturpreises ist grotesk. Man sollte den Text von Navid Kermani aufmerksam lesen. Wer keinen Schritt aus eigener Religion raus zu gehen bereit ist, der sollte nicht so tun, als ob er tolerant ist und dialogbereit. Kermani schreibt als Schiit über ein Bild, das ihn in einer katholischen Kirche faszinierte und überraschte. Muslime lehnen Darstellungen von Gott und auch vom Propheten ab. Muslime glauben auch nicht an die Kreuzigung des Propheten Isa. Trotzdem setzt sich Kermani feinfühlig mit der Darstellung von Guido Renis Kreuzbild auseinander. Er schreibt aus seiner Sicht und gibt wieder was er bei Kreuzen empfindet. Er schreibt wörtlich: „Für mich aber ist das Kreuz ein Symbol, das ich theologisch nicht akzeptieren kann, akzeptieren für mich, meine ich, für die Erziehung meiner Kinder. Andere mögen glauben, was immer sie wollen; ich weiß es ja nicht besser.“ Weiter schreibt er: „Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie.“ Es ist eine ehrliche Sicht und eine akzeptable Stimme im Dialog der Weltreligionen. Aber diese ehrliche Sicht eines Muslims kann man nicht tolerieren, das verlangt man immer nur von den anderen, von sich – wie diese Reaktion von Kardinal Lehmann, der langjährige Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Peter Steinacker und auch der Ministerpräsident Roland Koch beweist – ist Toleranz ein Fremdwort und von den Akteuren ein unreifes Verhalten. Wie vielfach bewiesen, wird Dialog der Religionen im Mund geführt, aber gehandelt wird ganz anders, wie auch der „Dialog der Religionen“ in meiner Stadt gehandhabt wird.
Elisabeth Mariam Müller | 11.06.2009 | 10:35
2. Die Revanche der Funktionäre
Die Reaktion Lehmanns und seines evangelischen Mitstreiters ist auch deswegen so peinlich, weil dadurch klargeworden ist, dass ihnen jegliche theologische Fachkenntnis dazu fehlt, den Gehalt von Kermanis Artikel zu beurteilen. Zuallererst sind beide nämlich Theologen,das heißt Menschen, die sich professionell damit auseinandergesetzt haben, wie wissenschaftlich angemessen von Gott zu reden ist. Und erst dann sind sie "Funktionäre". Die muslimische Sicht dessen, der von Christen als der Christus bezeugt wird, als dem wichtigsten Propheten vor Mohammed ist schließlich auch Laien bekannt. Schließlich ist auch kein Christ dazu genötigt, Mohammed als "Siegel der Propheten" aufzufassen. Wie kann es denn möglich sein, dass im Hier und Jetzt, in Zeiten, in denen anerkannte evangelische Theologen massive Zweifel am Sühnetod des Christus anmelden, derartige Inkompetenz zutage tritt? Ist den Herren tatsächlich verborgen geblieben, dass der Schiit Kermani im selben Artikel seine erhebliche Skepsis bezüglich der Rolle des Martyriums im Rahnen seiner eigenen Konfession angemeldet hat?
Dr.Johannes Ohlemüller | 07.06.2009 | 14:59
3. Kermain-Affäre : Die Revanche der Funktionäre
Für einen Dialog - und besonders für einen interreligiösen Dialog - gibt es Regeln - Claus Leggewie hat in seiner kritischen Auseinandersetzung mit Kardinal Lehmann dies auch genannt. Wenn Kritik zu Verletzungen führt, dann erlischt der Dialog. Warum steht Claus Leggewie diese Verletzung Kardinal Lehmanns durch Navid Kermani nicht zu? Der Duktus der Sprache von Claus Leggewie ist nicht in Ordnung - Wenn schon "berechtigte Kritik", dann in einer anderen Sprache!
Prof. Dr. Dr. Ernst Hanisch | 07.06.2009 | 14:16
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