Zivilgesellschaftliches Engagement im Sudan

Stillstand war gestern

Allen politischen Widrigkeiten und sozialen Krisen zum Trotz erlebt die Freiwilligenarbeit im Sudan derzeit ein "goldenes Zeitalter". Sie wird vor allem von der jüngeren Generation getragen, die mit der Vergangenheit der Älteren bewusst bricht. Ein Essay des sudanesischen Journalisten Abdelsalam Alhaj

Beobachter der gegenwärtigen sudanesischen Gesellschaft werden wissen, dass die ältere und die junge Generation sehr verschieden sind. Diese Unterschiede manifestieren sich in mehrfacher Hinsicht – intellektuell, kulturell, sozial und politisch. Während die ältere Generation ein stabiles Leben genossen hat, mit festen Arbeitsplätzen – in einer Zeit, in der öffentliche Dienst und Sektor noch funktionierten, erlebt die jüngere Generation heute das Gegenteil: den Verfall der Wirtschaft und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf über 19 Prozent.

Die Militärputsche im Sudan waren die Folge einer Verdichtung aller gesellschaftlichen Probleme in Richtung eines Aufstands. Man kann dies nun entweder als Versuch einer gewaltsamen Verdrängung oder doch zumindest als Ablehnung der herrschenden Missstände interpretieren.

"Vor sechs Jahren hatte ich noch ganz gewöhnliche Bedürfnisse und Ansprüche", berichtet Khaled Siraj, ehrenamtlicher Helfer der NGO "Bildung ohne Grenzen". "Doch seit ich als Helfer tätig bin, haben sich meine Ansichten sehr stark verändert."

Aktive Jugend

In letzter Zeit ist es unter den Jugendlichen im Sudan sehr populär geworden, sich ehrenamtlich zu engagieren. Mittlerweile sind über 4.000 Organisationen und Freiwilligenverbände im "Land des blauen und weißen Nil" aktiv. Sie arbeiten in verschiedenen Sujets, vor allem im Bildungssektor, im Gesundheitswesen, in den Bereichen Kultur und Kunst, in der Not- bzw. Soforthilfe und in der Krisenprävention. Außerdem setzen sich zahlreiche Organisationen, Gruppierungen und Zentren für den Aufbau und Förderung der jüngeren Generation ein. Dazu gehören die Zentren "Jisr lil-Tanmiya", "Muntada al-Shabab" und "Yalla Nbadir".

Freiwilligenarbeit in Khartum, Sudan; Foto: C. Faris Elshegil
Wind des Wandels: Freiwilligenarbeit sät den Samen des Handelns bei der jüngeren Generation, glaubt Khaled Siraj: "Es stellt nur eine Möglichkeit für junge Menschen, die sudanesische Gesellschaft umzustrukturieren", sagt der Freiwillige, der den Generationenkonflikt nicht als schwerwiegendes Problem erachtet.

Erstmals trat im Jahr 1957 das sogenannte "Gesetz zur Regulierung und Registrierung wohltätiger Freiwilligenorganisationen" in Kraft. Mit der fortschreitenden Entwicklung des sozialen Lebens gedieh auch das Konzept der ehrenamtlichen Arbeit. Viele Verbände, Organisationen und Initiativen wurden gegründet. Doch dies alles änderte sich im Jahr 1989, als mit einem Militärputsch die Islamisten an die Macht kamen. Die Arbeit wurde fortan eingeschränkt und einige Organisationen, die in der sudanesischen Zivilgesellschaft aktiv waren, wurden von der Regierung gezwungen, ihre Arbeit einzustellen.

Jetzt aber scheint es, dass die Freiwilligenarbeit im Sudan ein "goldenes Zeitalter" erlebt. Sie genießt breite gesellschaftliche Unterstützung und engagiert sich erfolgreich für die sudanesische Jugend.

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