"Mein größtes Ziel im Leben ist, meine Eltern stolz zu machen. Während der Taliban-Zeit war es für uns Mädchen sehr schwer, wir durften ja noch nicht einmal zur Schule gehen. Aber meine Eltern haben immer sichergestellt, dass unsere Bildung nicht gelitten hat. Sie haben Lehrer organisiert, die uns zu Hause unterrichtet haben. Ich habe es nur meinen Eltern zu verdanken, dass ich heute Ingenieurin bin."

Von der Uni direkt an die Baustelle des Darul Aman-Palastes. Foto: DW/S.Petersmann
Berufstätige Frauen in technischen Berufen: In Afghanistan ist das noch eine Seltenheit. „Ein Viertel der Architekten und Ingenieure, die am Wiederaufbau der Ruine arbeiten, sind Frauen. Hinter den schützenden Mauern des Palastes gibt es zwischen den Geschlechtern keine Probleme, “ schreibt Sandra Petersmann. Die Frauenquote hat der Präsident angeordnet.

Als die USA und ihre Partner nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten, war Wazhma Kurram zehn Jahre alt. Ihre zerstörte Heimatstadt Kabul wurde zur Drehscheibe des internationalen Einsatzes. Neue Schulen und Universitäten boten neue Bildungschancen. Wazhma studierte Mathematik und Baustatik.

Der Job im Wiederaufbau-Team ist für sie der erste, seit sie ihr Studium abgeschlossen hat. "Bildung ist der einzige Ausweg", glaubt Wazhma Kurram. "Wer gebildet ist, weiß um die zerstörerische Kraft des Krieges. Und wenn jetzt noch weitere Generationen mit neuen Ideen heranwachsen, dann wird dieser Krieg aufhören."

Ungewisse Zukunft

Doch derzeit deutet nichts auf eine friedliche Lösung hin. Das afghanische Regierungslager ist zerstritten und kontrolliert weniger als 60 Prozent des Landes. In 31 von 34 Provinzen wird gekämpft. Rund 1,5 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Taliban, Al-Qaida, der sogenannte "Islamische Staat", marodierende Milizen: Afghanistans Zivilisten haben viele Feinde. Korruption höhlt den Staat aus.

Die Machtelite in Kabul verschanzt sich hinter immer höheren und dickeren Sprengschutzmauern, während die Bevölkerung zwischen unklaren Fronten gefangen ist. Auch der Wiederaufbau von Darul Aman findet hinter dicken, hohen Betonmauern statt.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani hat den Wiederaufbau zur Chefsache gemacht. Er will hier in zwei Jahren den hundertsten Unabhängigkeitstag Afghanistans feiern. Der Palast soll nach seiner Restaurierung Staatsgäste beherbergen und als Nationalmuseum dienen.

Auch das Oberste Gericht soll auf das Gelände ziehen. Für den Wiederaufbau stellt die afghanische Regierung rund 20 Millionen US-Dollar bereit.  US-Experten waren vor Jahren mal von mindestens  200 Millionen ausgegangen.

Auf dem durchlöcherten Dach der Ruine lässt die leitende Architektin Masouma Delijam ihren Blick schweifen. Eine afghanische Fahne flattert an einer rostigen Fahnenstange, der Wind wirbelt eine rosafarbene Plastiktüte durch die Luft. Direkt gegenüber leuchtet die kupferfarbene Kuppel des neuen afghanischen Parlaments in der Mittagssonne. Das Nachbarland Indien hat dessen Neubau finanziert.

"Es fühlt sich großartig an, hier oben auf dem Dach des Palastes zu stehen", erzählt Masouma Delijam. Die 28-jährige ist als afghanisches Flüchtlingskind im Nachbarland Iran aufgewachsen und lebt erst seit 2004 in Afghanistan. Sie hat einen gut bezahlten Job in der Privatwirtschaft aufgegeben, um beim Wiederaufbau von Darul Aman mitzuhelfen.

Die Arbeiten laufen seit gut einem Jahr, sie war vom ersten Tag an dabei. Masouma stehen die Tränen in den Augen. "Ich habe einen Traum, dass ich hier eines Tages mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn spazieren gehen kann. Und dass ich meinem Sohn dann erklären kann, dass seine Eltern Darul Aman wieder aufgebaut haben, weil wir voller Hoffnung für Afghanistan waren."

Sandra Petersmann

© Deutsche Welle 2017

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Leserkommentare zum Artikel: Die starken Frauen von Darul Aman

Sehr interessanter Artikel,
aber eine Sprache "Afghanisch" gibt es nicht!
In Afghanistan sind zwei Sprachen verbreitet:
1. Dari, dem Neupersischen sehr ähnlich, wohl Sprache eher der gebildeten
Oberschicht,
2. Pashto. Beides sind iranische Sprachen, Pashto ist stärker ostiranisch!
Beide Sprachen werden mit der arabischen Schrift im persischen Duktus geschrieben!
Beste Grüße
Wiebke Walther

De. Wiebke Walt...19.08.2017 | 17:48 Uhr