Außerdem gab es eine Aktion von Studenten, Dozenten und Freiwilligen, bei der Bücher gerettet wurden, die das Feuer in der Universitätsbibliothek überstanden hatte.

Die Kunst kehrt nach Mossul zurück

Nach dem Brand in der Bibliothek hat Al-Barudi gemeinsam mit Studenten und anderen Freiwilligen rund 6.000 Bücher aus der Asche bergen können. Der Historiker Omar Mohammed, international bekannt als der Blogger "Mosul Eye", startete einen Aufruf, woraufhin tausende Bücher aus dem Ausland geschickt wurden, um die verlorenen zu ersetzen.

Die Musik ist ebenfalls nach Mossul zurückgekehrt. Während der Kunstausstellung hört man die Klänge der Ud, ein Bassist spielt an zerstörten Stätten wie der Al-Nuri-Moschee mit ihrem berühmten Hadba-Minarett. Hier rief IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi nicht nur das "Kalifat" aus, die Terrororganisation zerstörte die Moschee noch, kurz bevor sie aus Mossul vertrieben wurde.

Fahad Sabahs und Harith Yassins Bücher-Café in Mossul; Foto: DW/E v. Wessel
"Wir schätzen die Dinge nicht, bis wir sie schließlich verlieren", sagt Ali al-Barudi, ein Englischlehrer an der Mosul University, der zum inoffiziellen Chronisten der Stadt geworden ist und Fotos von den Schäden und dem Wiederaufbau macht. Die Terrormiliz IS hatte im Juni 2014 Mossul weitgehend ohne Gegenwehr eingenommen. Die militanten Islamisten zerstörten anschließend einmalige antike Kulturstätten und verkauften Kulturgüter auf dem illegalen Markt, um sich zu finanzieren oder Waffen zu kaufen. Die Schlacht um die Rückeroberung Mossuls dauerte dann von Mitte Oktober 2016 bis Anfang Juli 2017. Die Stadt wurde unter anderem beim Häuserkampf verwüstet.

Auch in dem ersten Literaturcafé Mossuls, geführt von Fahad Sabah und Harith Yassin, spielt die Musik. Sie haben es erst kürzlich eröffnet und möchten nicht nur jung und alt, Mann und Frau einen ruhigen Platz zum Lesen und Arbeiten bei einer Tasse Kaffee oder Tee bieten, sondern auch Konzerte und öffentliche Literaturdiskussionen veranstalten.

Kulturelles Comeback in kleinen Schritten

Im Café, wo gefüllte Bücherregale und Porträts von Schriftstellern, Musikern und Künstlern die Atmosphäre bestimmen, bestätigt Sabah, dass die Kultur nach Mossul zurückgekehrt ist. "Schon vor Daesh war ein öffentlicher Diskurs aus Angst vor den Extremisten und ihren Drohungen unmöglich. Jetzt ist die Gesellschaft viel offener. Unser Café ist nur ein Beispiel", sagt er. "Sieh dir an, was wir tun und wer hier reinkommt. Wir betreiben den ersten öffentlichen Raum, in dem sich Männer und Frauen wie zu Hause fühlen."

Er erzählt von der langen Zeit der Geschlechtertrennung in der Stadt. "Bis in die 1980er Jahre waren die Kinos noch gemischt. Aber dann radikalisierte sich die Gesellschaft, und die Kultur geriet in eine Abwärtsspirale."

Sabah will dazu beitragen, die Fehler zu vermeiden, die nach 2003 gemacht wurden, und stattdessen auf der neu gewonnenen Offenheit der Stadt aufbauen. Es wird allerdings geschätzt, dass mindestens ein Fünftel der Einwohner Mossuls der IS-Ideologie beipflichten - sogar ihrer brutalen Umsetzung. "Deshalb müssen wir unsere Probleme und Möglichkeiten verstehen. Das ist der erste Schritt für eine Lösung. Es wird nicht leicht, deshalb werden wir hart arbeiten müssen."

Judit Neurink

© Deutsche Welle 2018

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