Zusammen mit seinen Studenten fing er an, die noch stehenden Gebäude aufzuräumen - ohne Unterstützung der Regierung. Für die ist immer noch jeder, der während der Besetzung geblieben ist, der Kollaboration mit dem IS verdächtig. Gleichzeitig haben die Menschen vor Ort immer noch Angst vor den Dschihadisten, die im Untergrund verschwunden sind. "Deswegen sieht man auch in der Kunst kaum etwas, das mit der Besetzung zu tun hat", sagt Tariq.

Wandmalerei in einem Buch-Café in Mossul; Foto: DW/E v. Wessel
Aus dem Flammen-Inferno der IS-Dschihadisten gerettet: Nach dem Brand in der Bibliothek hat Ali al-Barudi, Englisch-Dozent an der Universität von Mossul, gemeinsam mit Studenten und anderen Freiwilligen rund 6.000 Bücher aus der Asche bergen können. Der Historiker Omar Mohammed, international bekannt als der Blogger "Mosul Eye", startete einen Aufruf, woraufhin tausende Bücher aus dem Ausland geschickt wurden, um die verlorenen zu ersetzen.

Den Menschen in der Stadt dabei zu helfen, mit den Erlebnissen unter der Schreckensherrschaft des IS klarzukommen: Dabei scheint die Kunstszene keine Rolle zu spielen. Das ist etwa in der kurdischen Region im Irak anders. Dort hat ein jesidischer Künstler Bilder gemalt, auf denen er das Schicksal seiner Mitmenschen darstellt.

Die Künstler in Mossul haben einen anderen Weg gefunden, ihre neu gewonnene Freiheit zu feiern. Im Mai 2017, als auf der anderen Seite des Tigris, der die Stadt teilt, noch gekämpft wurde, haben Al-Barudi und Tariq eine Kunstausstellung in Ost-Mossul mitorganisiert. Dort wurden Bilder und Gemälde an den rußgeschwärzten Überresten eines Universitätsgebäudes zu den Klängen lang verbotener Musik ausgestellt.

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