US-Präsidentschaftswahlkampf

Huma Abedin – die Frau im Schatten

Huma Abedin, langjährige Beraterin von Hillary Clinton, hält sich gerne im Hintergrund. Der Wahlkampf jedoch zerrt die Muslimin ins Rampenlicht – sie wird mit Sex-Skandalen und Terror-Angst konfrontiert. Von Mey Dudin

Eine "saudische Spionin" soll sie sein, ein "Maulwurf der Muslimbruderschaft" mit "Verbindungen zu Terroristen" – und darüber hinaus noch Ehefrau eines "Perversen". Es ist Wahlkampf in den USA und die Gegner der demokratischen Präsidentschaftskandidatin haben ein Angriffsziel gefunden: Huma Abedin, Tochter eines Inders und einer Pakistanerin, Muslimin, aufgewachsen in Saudi-Arabien, verheiratet mit einem jüdischen Politiker und seit 20 Jahren an Hillary Clintons Seite.

Sie hat die falsche Biographie für diese Zeit. Die 40-jährige zierliche Frau, die am liebsten im Hintergrund bleibt, wird seit Monaten immer wieder in den Mittelpunkt gezerrt, in die gnadenlose Schlammschlacht zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um Wählerstimmen, im Rennen um die Präsidentschaft. Zuletzt brach im August ein neuer Skandal über Huma Abedin los. Mitten in der heißen Wahlkampfphase veröffentlichte eine Zeitung ein obszönes Foto ihres Mannes Anthony Weiner, das er während eines Sex-Chats an eine Frau geschickt haben soll. Besonders pikant: Auf dem Selfie ist auch der im selben Bett schlafende gemeinsame kleine Sohn zu sehen.

Beeindruckende Karriere

Doch wer ist diese Frau, die bis vor kurzem kaum jemand kannte, die ungewollt aber doch so häufig in die Schlagzeilen gerät? Huma Abedin ist eine Tochter zweier Welten: der USA und Saudi-Arabiens. Ihre Biographie mag zu Zeiten des Terrors, in der Dschihadisten in Paris, Orlando, Nizza oder Brüssel blutige Anschläge verüben und eine apokalyptisch anmutende Terrormiliz die ganze Welt in Atem hält, bei manchem im Westen Misstrauen erwecken. Aber eigentlich ist sie beeindruckend:

Als Tochter zweier Akademiker wurde sie 1976 in Kalamazoo im US-Bundesstaat Michigan geboren. Im Alter von zwei Jahren zog sie mit der Familie nach Saudi-Arabien, in die Hafenstadt Dschidda. Aus ihrer Zeit in dem streng islamischen Königreich ist wenig bekannt. Leicht dürfte das neue Leben für die Familie jedoch nicht gewesen sein, wie eine Erzählung Huma Abedins zeigt. In einem Interview mit der Zeitschrift "Vogue" erinnerte sie sich an die Sehnsüchte ihre Mutter: "Sie schaute von ihrem neuen Haus in Saudi-Arabien aus gelegentlich in den Himmel. Und jedes Mal wenn ein Flugzeug vorbeiflog, sagte sie: Ich wünschte ich wäre da drin."

Als Kind und Teenager ging Huma Abedin auf internationale Schulen. Mit 18 Jahren kehrte sie in die USA zurück und studierte Journalismus in Washington D.C. Ihr Vorbild: Christiane Amanpour – Tochter eines Iraners und einer Britin, aus zwei Welten, wie sie.

Huma Abedin (l.) und Hillary Clinton; Foto: Reuters
Zielscheibe der politischen Rechten in den USA: Huma Abedin ist eine der wichtigsten Beraterinnen und Vertrauten der demokratischen Präsidentschaftskandidatin. Wegen ihrer engen Verbundenheit mit Clinton wird sie immer wieder auch von rechten Republikanern attackiert. Auch im Zusammenhang mit Clintons E-Mail-Affäre fällt oft der Name Abedins.

1996 bewarb sie sich um ein Praktikum im Weißen Haus und hoffte auf die Presseabteilung. In der Machtzentrale gibt es ebenfalls zwei Welten: West und Ost. Wer im West Wing arbeitet, ist beim Präsidenten. Im East Wing agiert die First Lady. Huma kam in den Ostflügel – zu Hillary Clinton – und war zunächst enttäuscht.

Im West Wing nahm zur selben Zeit eine andere Praktikantin die Arbeit auf: Monica Lewinsky. Als zwei Jahre später das Verhältnis zwischen Bill Clinton und Lewinsky aufflog, arbeitete Huma Abedin noch bei der First Lady. Sie gehörte einem Team von Vertrauten an, das einen dichten Schild um Hillary formte. In jener Zeit dürfte die First Lady die Loyalität und Diskretion ihrer zurückhaltenden Mitarbeiterin zu schätzen gelernt haben.

Ein "Motor im Zentrum von Clintons gut geölter Maschine"

Allmählich arbeitete sich Huma Abedin hoch. Kollegen beschrieben sie als schüchterne Frau, die nicht rauchte, nicht trank, nicht fluchte und immer höflich blieb. Ein Freund der Clintons, der anonym bleiben wollte, erzählte der Zeitschrift "Newsweek": "Oft, wenn Hillary mit dem Finger schnippte und sagte 'Kaugummi', war es Huma, die ihn holte." Diese Ergebenheit wurde belohnt. Clinton gab ihr immer wichtigere Positionen: im Senat, im Außenministerium und nun in ihrer Wahlkampagne – als stellvertretende Leiterin oder wie die "Vogue" schreibt: als "Motor im Zentrum von Clintons gut geölter Maschine".

Noch immer versteckt Huma Abedin sich gerne, und wenn sie mal aus der Deckung geht, geht es meist auch um ihre eigene Biographie. Zum Beispiel als sie über Twitter auf Trumps Islamfeindlichkeit regierte: "Du kannst stolze Amerikanerin sein, stolze Muslimin, und diesem großartigen Land stolz dienen. Stolz statt Vorurteile."

Doch gerade indem sie ihre muslimische Identität betont, macht sie sich in Amerika zur Zielscheibe. Die USA ist ein Land, das sich vor allem mit sich selbst beschäftigt. Weltnachrichten bekommt der durchschnittliche Bürger selten zu hören, so mancher bezieht sein außenpolitisches Wissen aus TV-Serien. Und ganz im Stil des Quotenhits Homeland – wo Al-Qaida, die Hisbollah, der Iran und Palästinenser ein und dasselbe sind – wird auch Politik gemacht.

 Anthony Weiner und Huma Abedin während einer Pressekonferenz in New York; Foto: picture alliance/dpa/EPA/A. Kelly
Trennung nach "langen und schmerzlichen" Überlegungen: Der frühere Kongressabgeordnete und Ehemann Abedins, Anthony Weiner, hatte 2011 mit dem Twittern erotischer Selfies seine hoffnungsvolle politische Karriere zerstört und die Beziehung zu Huma Abedin belastet. Ende August 2016, mitten in der heißen Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfs, wurden neue Vorwürfe laut, Weiner solle erneut über Monate anzügliche Bilder von sich an eine andere Frau geschickt haben.

So weisen auch gerade jene, die Clinton stoppen wollen, auf vermeintliche Verbindungen der Familie Abedin zum Terrorismus hin – und nehmen Huma Abedin in Sippenhaft. Die Spekulationen beginnen bei ihrem verstorbenen Vater und ihrer Mutter, die nach wie vor in Saudi-Arabien lebt. Syad Zainul Abedin hatte nach dem Umzug nach Dschidda das "Institut für Belange muslimischer Minderheiten" gegründet, das sich mit muslimischen Gemeinden in nicht-islamischen Ländern beschäftigt. Später gründete er das Magazin für Belange muslimischer Minderheiten, dessen Leitung nach seinem Tod Huma Abedins Mutter übernahm.

Verschwörungstheorien gegen Huma Abedin

Als “Scharia”-Blatt wird diese Zeitschrift von Clinton-Gegnern geschmäht. Andere sagen, es sei ein wissenschaftliches Blatt, das konservativen wie moderaten Muslimen eine Stimme gebe. Im Impressum war auch Huma Abedin jahrelang zu finden. Und ein weiterer Name taucht dort auf, der die Familie Abedin nach Meinung von einigen US-Republikanern verdächtig macht: Abdullah Omar Naseef, Universitätsprofessor und Ex-Vorstand der "Islamischen Weltliga".

Naseef hatte Kontakte zu dubiosen Organisationen, die die Mudschahidin in Afghanistan und auch die Al-Qaida unterstützten. Außerdem werden ihm Verbindungen zur Muslimbruderschaft nachgesagt. In Amerika wissen nur wenige, dass die Muslimbruderschaft in Saudi-Arabien seit Jahren keinen guten Stand hat und 2014 als Terrororganisation verboten wurde.

Doch nicht nur in Amerika ranken sich Verschwörungstheorien um Huma Abedin. In Ägypten, wo hinter jeder Ecke eine Verschwörung vermutet wird, ist es die systemtreue Presse, die Clintons Helferin für eine Gefahr hält. Die Gerüchte über Verbindungen ihrer Familie zur Muslimbruderschaft fallen hier auf fruchtbaren Boden. So unterstellte der Kolumnist Amr Abdul Samir in der Zeitung "Al-Ahram" Huma Abedin den "verschlagenen Plan", Clinton davon zu überzeugen, dass die Muslimbruderschaft einen moderaten Islam vertrete. Amerikaner würden mit der für sie "typischen Ignoranz" nicht verstehen, dass alle islamistischen Terrorgruppen aus der Muslimbruderschaft heraus entstanden seien.

Ob Huma Abedin – die schon als künftige Außenministerin gehandelt wurde – nach dem jüngsten Skandal um ihren Ehemann politisch wieder Fuß fassen kann, wird sich nach den Wahlen zeigen. Einen ersten Schritt hat sich schon getan: Sie hat sich von Anthony Weiner getrennt.

Mey Dudin

© Qantara.de 2016

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