Der Aufstieg von Hisbollah und Hamas

Während der Regierungszeit Ronald Reagans unterstützten die USA den Irak bei seinem Angriffskrieg gegen den Iran, einschließlich des Einsatzes chemischer Waffen. Als die Kämpfe 1988 endlich zu Ende gingen, ließen die USA dem Finanz- und Handelssanktionen gegen den Iran folgen, die bis heute in Kraft sind.

Ein Iraner legt letzte Hand an ein Bild an der US-Botschaft in Teheran. Es zeigt die amerikanischen Geiseln nach dem Sturm iranischer Studenten auf die Botschaft im Jahr 1979. Foto: Behrouz Mehri/AFP/Getty Images
Amerikas iranfeindliche Einstellung reicht zurück bis zur Islamischen Revolution des Landes im Jahr 1979. Für die US-Öffentlichkeit war das 444-tägige Martyrium der US-Botschaftsangehörigen, die von radikalen iranischen Studenten als Geiseln genommen worden waren, ein Schock, der bis heute nicht überwunden wurde, schreibt Sachs.

Seit 1953 haben die USA die Selbstbestimmung und wirtschaftliche Entwicklung des Iran durch verdeckte Operationen, Unterstützung des autoritären Regimes während der Jahre 1953 bis 1979, militärische Unterstützung seiner Feinde und jahrzehntelange Sanktionen behindert.

Ein weiterer Grund für Amerikas iranfeindliche Haltung ist die iranische Unterstützung für die Hisbollah und die Hamas, zwei militante Gegner Israels. Auch hier ist ein Verständnis des historischen Kontexts wichtig.

Im Jahre 1982 marschierte Israel im Libanon ein, um militante, von dort aus agierende Palästinenser zu bekämpfen. Als Folge dieses Krieges und vor dem Hintergrund durch die israelischen Besatzungstruppen ermöglichter antimuslimischer Massaker unterstützte der Iran die Bildung der schiitisch geführten Hisbollah, um der israelischen Besetzung des Südlibanons Widerstand zu leisten.

Als sich Israel im Jahr 2000 (fast 20 Jahre nach der ursprünglichen Invasion) aus dem Libanon zurückzog, war aus der Hisbollah eine starke militärische, politische und gesellschaftliche Kraft im Libanon geworden, die einen fortdauernden Stachel im Fleisch Israels darstellte.

Der Iran unterstützt zudem die Hamas, eine Gruppe sunnitischer Hardliner, die das Existenzrecht Israels bestreitet. Nach Jahrzehnten israelischer Besetzung der im Krieg von 1967 eroberten palästinensischen Gebiete und angesichts der festgefahrenen Friedensverhandlungen besiegte die Hamas die Fatah (den politischen Arm der Palästinensischen Befreiungsorganisation) 2006 bei den Wahlen zum palästinensischen Parlament.

Statt in einen Dialog mit der Hamas einzutreten, versuchten die USA und Israel, die Hamas zu vernichten – unter anderem durch einen brutalen Krieg 2014 im Gazastreifen, der auf palästinensischer Seite zu vielen Toten, unsäglichem Leid und Schäden an Wohnhäusern und Infrastruktur im Gazastreifen im Umfang von vielen Milliarden Dollar führte, aber wie vorherzusehen keinerlei politischen Fortschritt brachte.

Atomkompromiss auf dem Prüfstand

Israel betrachtet zudem das iranische Atomprogramm als existenzielle Bedrohung. Israelische Hardliner haben sich wiederholt bemüht, die USA zum Angriff auf die iranischen Atomanlagen zu bewegen oder zumindest Israel einen derartigen Angriff zu gestatten.

Glücklicherweise widerstand Präsident Barack Obama diesen Versuchen und handelte stattdessen einen Vertrag zwischen dem Iran und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates (plus Deutschland) aus.

Er blockiert den Weg des Iran zum Erwerb von Atomwaffen für mindestens ein Jahrzehnt und schafft Raum für weitere vertrauensbildende Maßnahmen auf beiden Seiten.

Doch Trump und die Saudis scheinen fest entschlossen, die durch dieses wichtige und vielversprechende Abkommen eröffnete Möglichkeit einer Normalisierung der Beziehungen zunichte zu machen.

Außenstehende Mächte sind extrem töricht, wenn sie sich dahingehend manipulieren lassen, sich in erbitterten nationalen oder religiösen Konflikten, die nur durch Kompromisse gelöst werden können, auf eine Seite zu stellen. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina, der Wettstreit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und die sunnitisch-schiitischen Beziehungen erfordern gegenseitige Zugeständnisse.

Doch jede Seite in diesen Konflikten gibt sich der tragischen Illusion hin, dass sie einen letztlichen Sieg ohne Kompromisse erreichen wird, wenn nur die USA (oder eine andere bedeutende Macht) den Krieg in ihrem Namen führt.

Während des vergangenen Jahrhunderts haben Großbritannien, Frankreich, die USA und Russland ihre Karten im nahöstlichen Machtspiel sämtlich falsch ausgespielt. Alle haben Menschenleben, Geld und Prestige verschwendet. (Tatsächlich wurde die Sowjetunion durch ihren Krieg in Afghanistan schwer und vielleicht sogar in fataler Weise geschwächt.)

Mehr denn je brauchen wir eine Ära der Diplomatie, die den Kompromiss betont, und nicht eine weitere Runde der Dämonisierung und ein Wettrüsten, das nur zu leicht in eine Katastrophe münden könnte.

Jeffrey D. Sachs

© Project Syndicate 2017

Aus dem Englischen von Jan Doolan

Jeffrey D. Sachs ist ein amerikanischer Ökonom und Direktor des Center for Sustainable Development an der Columbia University in New York.

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