Stattdessen stehen die Saudis nun aufgrund dieses Krieges finanziell und politisch unter Druck. Wegen seiner Folgen – den vielen jemenitischen Opfern, dem Hunger von Millionen Zivilisten und der Ausbreitung von Seuchen – wird das Land international immer stärker kritisiert.

Wenn die Saudis schon mit diesem vermeintlich "kurzen Feldzug" überfordert sind, wie können sie dann glauben, sie hätten eine Chance, einen viel umfassenderen regionalen Krieg gegen den Iran zu gewinnen? Nein, sogar mit Israels Hilfe brächte ein solcher Krieg allen Beteiligten nur noch weitere langwierige, teure und blutige Konflikte ein.

Die Amerikaner wissen dies natürlich. Sie kennen die militärische Schwäche der Saudis – trotz aller importierter Waffen. Aber in ihrem eigenen Interesse teilen sie das ihrem reichen Verbündeten nicht offen mit. Den Saudis ehrliche Ratschläge zu geben, würde bedeuten, eine "große politische Einigung" mit dem Iran anzustreben.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump in Washington; Foto:
Angst schüren, Waffen verkaufen: Bei seinem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman äußerte Donald Trump die Hoffnung, dort allein in den Jahren 2018-19 Waffengeschäfte im Wert von mehr als 700 Milliarden Dollar abzuschließen. Und die beste Garantie für diese aktuellen und zukünftigen Geschäfte besteht darin, die Angst der Saudis vor dem Iran zu schüren.

Aus der Unwissenheit politisches Kapital schlagen

Mit ihrer Unehrlichkeit nutzen die Amerikaner auch die politische Impulsivität des jungen und unerfahrenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman aus. Dessen Öffentlichkeitsberater, von denen die meisten selbst Amerikaner sind, scheinen ihm gewisse politische Kenntnisse vermittelt zu haben, die aber bei näherem Hinschauen ziemlich trivial wirken: Eine dieser Lektionen, die der Kronprinz immer gern wiederholt, ist eine geschichtliche Parallele. Er vergleicht den nichtkonfrontativen Ansatz des Westens gegenüber dem Iran, der in der Obama-Zeit mit dem Nuklearabkommen seinen Höhepunkt erreicht hatte, mit der westlichen Beschwichtigungspolitik gegenüber Hitler vor dem Zweiten Weltkrieg.

Mit dieser Analogie wird verzweifelt versucht zu suggerieren, ohne eine Konfrontation gegen den Iran würde sich die Islamische Republik im Nahen Osten ausbreiten und andere Länder erobern. Als Beispiel dient dabei das berüchtigte Münchner Abkommen vom September 1938, als britische und französische Politiker Hitler letztlich das Recht gaben, in die Nachbarstaaten Deutschlands einzumarschieren.

Ob die Ambitionen der Nazis und die Ereignisse, die dann 1939 zum Krieg führten, ohne diesen Pakt hätten gestoppt werden können, ist unter Historikern umstritten. Dies mit dem Iran zu vergleichen, ist jedoch in vielerlei Hinsicht naiv: Nach dem Abkommen von Versailles im Jahr 1919 gab es in Deutschland viele Probleme, die zum Aufstieg Hitlers führten. Diese sind im Iran nicht vorhanden. Weiterhin waren nach dem Fall des Kaiserreichs Gebiete von Deutschland abgetrennt und den Nachbarstaaten zugeteilt worden. Die aggressive Kriegsstrategie der Nazis hatte das Ziel, diese Gebiete wiederzuerlangen, was auch zu ihrer Popularität beitrug.

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