Mit dieser Methode machte er seinen Cousin Hussein Kamil al-Majid, der Polizeioffizier war, zum Verteidigungsminister. Seinem Schwiegersohn Hassan Kamil al-Majid, einem Armeeoffizier, übertrug er weitgehende exekutive Machtprivilegien, darunter die Aufsicht über die Militärindustrie und die Leitung der republikanischen Garde. Zudem kontrollierte er das Waffenarsenal der Armee und den Schmuggel verbotener Waffen aus westlichen Schwarzmärkten. Damit war er mächtiger als der Verteidigungsminister.

Männer laufen an einem Poster des Saddam Art Center in Bagdad vorbei, das Iraks ehemaligen Staatspräsidenten Saddam Hussein in kriegerischer Pose sowie die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zeigt; Foto: AP
Ikonographie des Größenwahns: Saddam war der Prototyp des modernen arabischen Despoten in der machiavellistischen Tradition des Kalifen Muawiya. Seinen Staat baute er auf scheinbar modernen nationalistischen Ideen auf und machte sich zum Inbegriff der Neuerstehung der Nation. Dabei kopierte er faschistische Ideologien aus Europa.

Als jener Schwiegersohn, der Mann von Saddams Tochter Raghad, sich 1996 vom Regime in Bagdad lossagte und nach Jordanien floh, wo er Asyl vom damaligen König Hussein bekam, täuschte ihn Saddam, indem er eine Amnestie für ihn aussprach und ihm ein verbindliches Stammesversprechen gab, dass ihm bei einer Rückkehr kein Unheil drohe. Saddams Tochter spielte eine Schlüsselrolle dabei, ihn zur Rückkehr zu überreden. In Wirklichkeit hatte Saddam geplant, ihn von einem verwandten Clan ermorden zu lassen. Als Hassan Kamil al-Majid in den Irak zurückkehrte, wurden er, sein Bruder, sein Vater und mehrere seiner Cousins ermordet.

Saddam erarbeitete sich einen Ruf, der seine Brüder im Geiste neidisch werden ließ, darunter Ali Abdullah Salih und Muammar al-Gaddafi, aber auch seinen Erzfeind Hafiz al-Assad, der Syrien ebenfalls mit der Baath-Partei regierte. Saddam war der Prototyp des modernen arabischen Despoten in der machiavellistischen Tradition des Kalifen Muawiya. Seinen Staat baute er auf scheinbar modernen nationalistischen Ideen auf und machte sich zum Inbegriff der Neuerstehung der Nation. Dabei kopierte er faschistische Ideologien aus Europa.

Die Legende vom "unersetzbaren Führer"

Weil Saddam Hussein krankhaft süchtig danach war, sich selbst zu rühmen, verstieg sich sein Pressesekretär Hussein Abduljabbar Muhsin zu dem Prädikat "unersetzbarer Führer" für den Präsidenten. Damit sollte ausgedrückt werden, dass Saddam Hussein ein von der Geschichte gesetzter, in prophetischem Rang stehender Anführer des Landes war. Und da Saddam mit der Zeit selbst daran glaubte, musste er auch alles daran setzen, bis zu seinem natürlichen Tod an der Macht zu bleiben, bevor er sie an einen Sohn weitergäbe.

Dasselbe ließe sich von Muammar al-Gaddafi in Libyen oder Ali Abdullah Salih im Jemen sagen, die als orientalische Despoten das Militär, den Staatsapparat und ihre jeweils herrschende Partei ebenfalls nach tribaler Logik führten. Nach und nach führten Säuberungen dazu, dass diese zu Familienvereinen wurden, und aus der Loyalität zum Parteichef wurde eine Loyalität zum Familienchef beziehungsweise zum Oberhaupt des herrschenden Clans, beziehungsweise beides zusammen.

Jemens früherer Präsident Ali Abdullah Salih; Foto: AP
"Ein Tanz auf Schlangenköpfen": Anfang Dezember 2017 hatte sich Ali Abdullah Salih mit den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen überworfen, weil er Saudi-Arabien entgegenkommen wollte. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern. Schließlich erschossen die Huthi-Rebellen Salih, als dieser aus Sanaa fliehen wollte.

Am Ende konnten wir sehen, wie diese drei klassischen Stammesdespoten im dritten Jahrtausend alle auf eine ähnlich schreckliche Weise ums Leben kamen. Saddam wurde von seinen konfessionellen Gegenspielern gehängt, die den Irak nach ihm mit Hilfe der amerikanischen Besatzung und ihren schiitischen Gehilfen aus dem Iran regierten.

Gaddafi wurde von "Revolutionären" gefangen genommen, während NATO-Flugzeuge über ihnen kreisten und er versucht hatte, sich in einem Abwasserrohr zu verstecken. Dieselben Rebellen, die er selbst zuvor als Ratten bezeichnet hatte, lynchten ihn und entstellten seinen Leichnam.

Und schließlich wurde Präsident Salih, der immer gesagt hatte, den Jemen zu regieren sei wie "ein Tanz auf Schlangenköpfen", von Gewehrsalven derer hingestreckt, mit denen er kurz zuvor noch verbündet gewesen war: den Huthis. Diese streben nun als neue "erwählte" Religions- bzw. Stammesgruppe nach der Herrschaft über den Jemen.

Faraj Alasha

© Qantara.de 2018

Faraj Alasha ist ein libyscher Publizist und Schriftsteller.

Übersetzt aus dem Arabischen von Günther Orth

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